piwik no script img

Meme Woke MacarenaAuf Tiktok gegen den Sexismus tanzen

Ein viraler TikTok-Trend trifft den Nerv einer neuen feministischen Popgeneration, angeführt vom Song „Take a Sexy Picture of Me“ der Sängerin CMAT.

Von Teenie bis Opi, wenn „Dale a tu cuerpo alegría, Macarena“ läuft, wissen alle, was zu tun ist. Hände nach vorne, nach oben, an die Hüfte – klatschen. Der Song „Macarena“ von der Band Los del Rio ist über 20 Jahre alt und trotz der damit einhergehenden Ausgelutschtheit ein popkulturelles Monument.

Schon lange vor Social Media und Meme-Kultur wurde zu dem Song in Turnhallen, auf Hochzeiten und bei Parteitagen kollektiv abgezappelt. Heute würde man sagen, er ging viral.

Nun bekommt „Macarena“ ein feministisches Makeover, zumindest als Namensgeberin für einen neuen Trend auf Tiktok, der Tanzbarkeit mit Gesellschaftskritik verbindet: Woke Macarena.

Der Soundtrack zum Trend stammt von der irischen Sängerin CMAT (bürgerlich: Ciara Mary-Alice Thompson). Ihr neuer Song „Take a Sexy Picture of Me“ ist das Gegenteil dessen, was der Titel vermuten lässt. Keine platte Pose, sondern eine kluge Auseinandersetzung mit internalisierter Frauenverachtung.

Trotzdem liefert sie alles, was Pop braucht: eine starke Stimme mit Wiedererkennungswert und eine Melodie, die gute Laune macht.

Mit diesem Einstieg erzählt CMAT vom früh einsetzenden Druck, „weiblich“, anpassungsfähig und attraktiv zu sein. Von Enthaarung im Kindesalter, von Anpassung und Druck als Teenagerin, vom etablierten Selbsthass als Erwachsene. Alles im Namen der männlichen Anerkennung. Im Refrain folgt dann die Abrechnung mit weiblichen Lebensrealitäten und Männerfantasien.

Mit den Zeilen „I did the butcher, I did the baker, I did the home and the family maker“ benennt CMAT die Erwartungen an Frauen. Und das damit verbundene Rollenbild: die Fürsorgliche, die sich um Haus und Hof kümmert. Mit „I did school girl fantasies, I did leg things and hand stuff, and single woman banter“, folgt die Rolle der Verfügbaren, die auch Lolita-Fantasien bedient, und die der Single-Frau, die sich mit belanglosen Dates begnügen muss.

#cmatsummer trendet

Der Refrain endet mit der entscheidenden Frage: Und, was habe ich davon? Den Erfolg hat CMAT aber nicht nur der eingängigen Melodie und dem Text zu verdanken, in dem sich sicherlich viele Frauen wiedererkennen, sondern auch dem Tiktok-Creator Sam Morris, der zu den Schlagworten des Refrains tanzt.

Metzger: Hackbewegung, Bäcker: Teigrühren, Family Maker: Hände formen einen schwangeren Bauch. Die Tiktok-Community ließ sich nicht lange bitten, dem Trend einen Namen zu geben.

Ein queerer Künstler führt zu einem feministischen Song einen witzigen Tanz auf: It’s giving woke, it’s giving Macarena. Tausende machen mit, in Tiktoks oder bei Konzerten von CMAT. Ja, die Sängerin selbst greift den Tanz mittlerweile auf.

Der Hashtag #cmatsummer trendet ähnlich wie #bratsummer im vergangenen Jahr, als die britische Sängerin Charli XCX mit dem Album „brat“ den Soundtrack für Rotzgören lieferte.

Doch wenn sich dieser Woke Macarena-Trend halten sollte, gehört dieser Sommer nicht mehr den ungezogenen Mädchen, sondern den Frauen, die lange im Stillen gelitten haben. Jetzt wehren sie sich mit Ironie, Tanz und Kunst gegen frauenfeindliche Gesellschaftsbilder.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Produkt-Arrangement bestehend aus dem bunt gemusterten „feministaz“-Halstuch, einer gedruckten taz-Sonderausgabe und einem Smartphone, das die digitale taz-Titelseite mit einer lila Faust zeigt.

10 Wochen taz testen + feministisches Halstuch

Gerade jetzt ist die Sichtbarkeit solidarischer Stimmen wichtiger denn je – für Frauen und FLINTA* weltweit. Teste die taz jetzt und erhalten unser neues feministisches Halstuch als Prämie dazu.

  • Erhalte das exklusive Tuch als Prämie – so attraktiv kann Solidarität sein!
  • Lies 10 Wochen die taz: Montag bis Freitag digital, samstags die gedruckte wochentaz
  • Limitierte Stückzahl, schnell sein lohnt

taz zur Probe + Tuch für nur 29 Euro

Jetzt bestellen

2 Kommentare

 / 
  • "...ähnlich wie #bratsummer im vergangenen Jahr, als die britische Sängerin Charli XCX mit dem Album „brat“ den Soundtrack für Rotzgören lieferte."

    und mit dem cringe-worthy #kamelaisbrat Hashtag Mrs Harris' die Presidentschaft gekostet hat.



    Wer glaubt dass Generalstaatsanwälte mit "Rotzgören"-Haschtags beim Volk punkten sollte sich auf Wahlniederlagen besser dauerhaft einstellen.

  • The revolution will not be TikToked.