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Mehr Videokameras am Hauptbahnhof Hamburg zündet Überwachungsbombe

Katharina Schipkowski

Kommentar von

Katharina Schipkowski

Hamburg baut die Überwachung am Hauptbahnhof massiv aus. Weil hier auch viele Demos starten, ist das eine schlechte Nachricht für Demonstrant*innen.

D er Hamburger Hauptbahnhof dürfte zu den am besten überwachten Orten Deutschlands zählen. Am Mittwoch wurden 27 weitere Überwachungskameras am südlichen Bahnhofsvorplatz aktiviert – zusätzlich zu den bereits installierten Kameras im und am Bahnhof. Allein drinnen sind es 200. Innensenator Andy Grote (SPD) fasste es am Mittwoch so zusammen: „Wir haben jetzt alles ausgeschöpft, was an rechtlichen Sonderregelungen möglich ist.“ Sprich: Mehr Überwachung geht nicht. Wobei, eine Möglichkeit fiel ihm dann noch ein: Videoüberwachung in Fernzügen – da sei man bereits dran.

Ansonsten gibt es ja auch das Alkoholkonsumverbot, das Waffenverbot, die Bahnhofswache und die „Quattrostreife“, eine Patrouille aus Bundespolizei, Landespolizei und den Sicherheitsdiensten der Deutschen Bahn und der Hochbahn. Das nur zur Erinnerung, falls jemand auf die Idee gekommen wäre, der Bahnhof wäre einfach nur ein Bahnhof.

Bei der Einweihung der neuen Kameras betonte das rein männliche besetzte Sicherheits-Trio aus Innensenator, Polizeipräsident und Bundespolizeidirektionsleiter mehrfach, dass der Hauptbahnhof der meistfrequentierte Bahnhof Deutschlands sei – und nun eben auch „der Ort mit den meisten Sicherheitsmaßnahmen Hamburgs“.

Schlechter Startpunkt für Demos

Wie sicher man sich dort fühlt, während mehrere Kameras gleichzeitig auf einen gerichtet sind, bleibt natürlich Privatsache. Aber mit Sicherheit zielen Überwachungskameras immer auch oder vor allem auf Abschreckung. Abgeschreckt fühlen dürften sich vor allem De­mons­tran­t*in­nen jeglicher Ausrichtung. Der Hachmannplatz am südlichen Hauptbahnhof ist der zentrale Startort für Demonstrationen durch die Innenstadt. Durch die umfassende Videoüberwachung dürfte der Platz dafür jetzt gestorben sein.

Wobei das in der Theorie nicht so sein müsste. „Bei Versammlungen werden die Kameras ausgeschaltet“, behauptete das Sicherheitstrio. Um sich dann breitbeinig um einen, für die Me­di­en­ver­tre­te­r*in­nen im Sommerloch bereitgestellten, roten Button herum zu platzieren und einmal hierhin, einmal dorthin lächelnd zu drücken.

Zurück zu den Demonstrationen: Könnten die Kameras an bleiben, wenn die Polizei einen unfriedlichen Verlauf einer Demo erwartet? „Grundsätzlich nicht“, versichert Grote. Dafür habe man ohnehin eigene Kameras. Von außen kontrollieren, ob die Überwachungskameras an oder aus sind, kann man allerdings nicht.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Katharina Schipkowski

Katharina Schipkowski Redakteurin | taz Nord

Jahrgang 1986, hat Kulturwissenschaften in Lüneburg und Buenos Aires studiert und wohnt auf St. Pauli. Schreibt meistens über Innenpolitik, soziale Bewegungen und Klimaproteste, Geflüchtete und Asylpolitik, Gender und Gentrification.
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5 Kommentare

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  • mlink

    In Hannover musste und muss die Polizei nicht weg-schwenkbare Kameras jedes mal mit Mülltüten verhüllen, wenn eine Demo deren Erfassungsbereich passierte ... :)



    freiheitsfoo.de/20...kameras-bei-demos/

  • Black & White

    Sehr gute Entscheidung!

  • Ramaz

    Die Kameras sind nur für die Demonstranten eine Bedrohung, Die zu spät ihre Tücher oder Skimasken vors Gesicht gezogen haben. Normale Demonstranten wird das nicht stören. Da sie ja während des gesamten Demonstrationszug zigfach gefilmt und Fotografiert werden. Von der Polizei, Reportern, Zuschauer und Mitdemonstrierenden.



    Also trifft es nur die Gewalttäter die eine Demo nutzen wollen mal wieder richtig Dampf abzulassen.



    Von der üblichen Kriminalität in Bahnhofsnähe ganz abgesehen.



    In London beklagt sich auch niemand das der Taschendieb bei seiner Arbeit gefilmt wird.

  • 1Pythagoras

    Meine bisherigen Erfahrungen am Bahnhof waren zwischen Zumutung und Risiko. Es kann nur besser werden.

    • D. MEIN

      @1Pythagoras:

      Überwachung ist dort dringend notwendig. Besser wäre sie durch mehr Polizei..