Maskenpflicht ausgeweitet: Was für eine Zumutung

Ab 24. Oktober gilt die Maskenpflicht auf Märkten und in zehn belebten Einkaufsstraßen. Und die Maßnahmen werden wohl noch drastischer ausfallen.

EIne Fußgängerzone in Heilbronn auf dem die dort geltende Maskenpflicht mit einem Maskensymbol und dem Wort Maskenpflicht

Fußgängerzone mit „Maskenpflicht“ – in Heilbronn. Solche Schilder muss nun auch Berlin aufstellen Foto: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

BERLIN taz | Die Berliner kommen aber auch auf verrückte Ideen. Jetzt wurde bei einem Routinecheck ein Mund-Nasen-Schutz aus einem Päckchen gefischt, der aus Krokodilleder bestand. Und er wurde beschlagnahmt, von wegen Washingtoner Artenschutzgesetz. Der Besitzer hatte sich das Ding in den USA bestellt.

Doch was kommt als Nächstes? Eine Maske, die aus einem Schildkrötenpanzer besteht? So weit der Boulevard.

Der Trend geht zur Maskenpflicht und die ist ausbaufähig, versprochen. Geht es mit den Fallzahlen weiter nach oben, drohen weitere, drastischere Maßnahmen. Am Dienstag hat Rot-Rot-Grün nach stundenlanger, scheinbar kontroverser Diskussion – der Regierende Bürgermeister Michael Müller nannte das euphemistisch: „Wir haben uns Zeit genommen“ – eine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Maske auf Wochenmärkten und in Warteschlangen beschlossen.

Es ist das achte Mal, dass der Senat die – Achtung, Wortungetüm – Sars-Cov-2-Infektionsschutzverordnung geändert, weil erweitert hat. Die neue Verordnung tritt nicht unverzüglich, sondern am 24. Oktober in Kraft. Also passend zu den Wochenendmärkten in der ganzen Stadt, die samstags nach wie vor gut besucht sind.

Die eine Hälfte trägt Maske, die andere pfeift darauf

Wer sich zum Beispiel auf dem eher kleinen Markt am Arnswalder Platz im Bötzowviertel in Prenzlauer Berg umsieht, kann erleben, wie zweigeteilt diese Stadt derzeit ist. Die eine Hälfte trägt Maske schon jetzt wie selbstverständlich, die andere pfeift darauf. Na, mal sehen, was am Wochenende auf den Marktplätzen so abgeht.

Oder in den Einkaufsstraßen, die – was für ein schönes Wort – so belebt sind, dass der Senat auch hier eine Maskenpflicht einführt. Auf der Tauentzien- oder der Karl-Marx-Straße alle mit Maske? Zumal die Frage offenblieb, wer denn den Mund-Nasen-Schutz nun alles aufsetzen muss: Auch der Fahrradfahrer in der Friedrichstraße, die ebenfalls zu den zehn „exemplarisch“ ausgewählten Einkaufsstraßen zählt? Oder die Leute auf den E-Rollern in der Bergmannstraße? Weil die Verordnung das nicht näher definiert, „gilt das für alle“, hieß es gestern auf Nachfrage aus der Senatskanzlei.

Okay, wer sich eh nicht gern in überlaufenen Einkaufstraßen tummelt, kann diese Maskenpflicht umgehen. Und auf dem Wochenmarkt geht Maske für ein Stündchen ja auch in Ordnung. Aber was machen wir, wenn die Maskenpflicht ausgeweitet wird? Auf den gesamten öffentlichen Raum?

Wappnen wir uns für die kommenden Monate, die uns allen viel abverlangen werden. Denn es wird ja kälter und dunkler und am Wochenende endet auch noch die Sommerzeit. Aber Kopf in den Sand stecken wie Vogel Strauß ist nicht. Diese Zeit steckt voller Zumutungen. Halten wir sie aus.

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