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Linkenpolitiker über Sportförderung„Wir sind die Einzigen, die ernsthaft Spitzensport wollen“

Christian Görke, sportpolitischer Sprecher der Linken im Bundestag, über das Aus der Sportministerin. Sport sei mehr als nur Medaillen, sagt er.

Martin Krauss

Interview von

Martin Krauss

taz: Herr Görke, Bundeskanzler Merz hat die Sportstaatsministerin Schenderlein entlassen. Ist das gut?

Görke: Lassen Sie es mich so ausdrücken, Frau Schenderlein war für dieses Amt aus unserer Sicht nicht die richtige Besetzung. Sie hat mit dem Sport gefremdelt und den Eindruck vermittelt, dass sie sich in diesem Politikfeld nicht wirklich zu Hause fühlt.

taz: Wird es nun mit jemand anderem besser, unabhängig davon, ob er oder sie Nadine Keßler oder Tino Sorge oder anders heißt?

Im Interview: Christian Görke

Der Linke-Politiker ist sportpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Dem Bundestag gehört er seit 2021 an und ist zudem Vorsitzender des Finanzausschusses. Von 2014 bis 2019 war er Finanzminister Brandenburgs.

Görke: Natürlich würden wir es begrüßen, wenn jemand kommen würde, der oder die über mehr Erfahrung im Sport und Leistungssport verfügt. Aber entscheidend ist für uns am Ende nicht der Name, sondern die Weichenstellung in der Politik. Der Sport braucht endlich Verlässlichkeit, einschließlich einer langfristigen Finanzierung, und eine Politik, die den Dreiklang von Schul-, Breiten- und Spitzensport herstellt und damit Sportförderung auf Ebene der Kommunen, Länder und des Bundes enger verzahnt.

taz: Christiane Schenderlein wird allgemein attestiert, dass sie das, was im Koalitionsvertrag steht, abgearbeitet hat, vor allem das Sportfördergesetz. Das kann ihr ja nicht zum Verhängnis geworden sein?

Görke: Doch, das Sportfördergesetz hat exemplarisch gezeigt, dass Frau Schenderlein die eigentlichen Herausforderungen gar nicht verstanden hat.

taz: Kern des Sportfördergesetzes ist eine unabhängige Spitzensportagentur, die für die Mittelvergabe zuständig sein soll.

Görke: Eine Sportagentur löst nicht den eklatanten Sanierungsstau bei Schwimm- und Sporthallen auf. Diese Agentur ist zunächst einmal ein Ausdruck von Bürokratieaufwuchs mit zig neuen Stellen im höheren Dienst und kostet den Steuerzahler mehrere Millionen Euro pro Jahr.

taz: Was wäre besser?

Görke: Ein wirklicher Paradigmenwechsel wäre gewesen, wenn die Sportförderung im Bund zur Pflichtaufgabe wird. Das heißt, Schluss mit einer Sportpolitik, die sich von Haushaltsloch zu Haushaltsloch hangelt. Es kann doch nicht sein, dass eine einzige Universität in den USA mehr Geld für die Spitzensportförderung ausgibt als der Bund mit nur knapp 360 Millionen Euro. Wie soll man denn so bitte den Weg zurück in die Weltspitze finden, wenn die Mehrzahl der Trainerinnen und Trainer nach wie vor unter prekären Arbeitsbedingungen leiden, wenn die Hälfte unserer Bundeskaderathletinnen und -athleten nicht sozial abgesichert sind und der Behindertensport trotz seiner gesellschaftlichen Bedeutung strukturell unterfinanziert bleibt.

taz: Wo setzt eine linke Sportpolitik an?

Görke: Sport ist mehr als nur Medaillen. Er ist Gesundheit, gesellschaftlicher Zusammenhalt und steht für Respekt, Gleichheit und Völkerverständigung. Für uns beginnt Sportpolitik daher vor Ort. Jedes Kind und jeder Erwachsene muss, unabhängig von finanziellen Voraussetzungen, Sport treiben können. Deshalb brauchen wir mehr Investitionen in Sportstätten, in Schul- und Breitensport. Außerdem brauchen wir, wie bereits erwähnt, bessere Arbeitsbedingungen im Spitzensport und soziale Absicherungen von Athletinnen und Athleten, unabhängig davon ob olympisch, paralympisch oder sonstigen Sport. Sport sollte generell als Staatsziel im Grundgesetz verankert werden und bei allen politischen Entscheidungen mitgedacht werden.

taz: Spitzensportförderung gehört also für die Linke dazu?

Görke: Wir wollen den Spitzensport fördern. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass wir die Einzigen sind, die hierfür ernsthafte Konzepte vorgelegt haben. Gute Trainings- und Arbeitsbedingungen, soziale Sicherheiten und eine gesicherte Finanzierung sind wichtiger als Bürokratieaufwuchs und einseitiger Medaillenfokus.

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2 Kommentare

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  • Auch hier hat die Linke wieder ein Thema gefunden, mit dem sie an der Bevölkerung vorbeiregieren würden, wenn sie denn gewählt würden.

  • Oder: wir lassen diesen menschenverachtenden Mist namens Spitzensport. Er deformiert Sportler*innen und Zuschauer*innen, mental und oft auch körperlich. Es ist missbrauchproduzierende Ressourcenverschwendung. Breitensport für alle!