Linke lässt die P-Frage ungeklärt: Bartsch oder Lafontaine
Geschäftsführer Dietmar Bartsch weicht der Frage aus, ob er Oskar Lafontaine als Parteichef ablöst. Das verschiebt die Entscheidung über die Zukunft des Saarländers auf den 11. Januar.
BERLIN taz | Entscheidungen über die Spitze der Linkspartei will Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch aufs neue Jahr vertagen. Am 11. Januar wird sich herausstellen, ob die Linke künftig mit Oskar Lafontaine rechnen kann oder nicht. Dann will der amtierende Parteivorsitzende sich zu einer möglichen erneuten Kandidatur äußern. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau bleibt er im Amt. Das könnte das Aus für Bartsch bedeuten.
In den letzten Monaten hatte das schwierige Verhältnis zwischen Bartsch und Lafontaine eine Belastung für die Linke dargestellt. Kurz nach Lafontaines öffentlicher Erklärung, er habe Krebs, hatte Bartsch erklärt, der Rückzug des Parteichefs habe nichts mit dessen Erkrankung zu tun. Außerdem hatte sich der Geschäftsführer, dem selbst Ambitionen auf den Chefsessel nachgesagt werden, gegen eine Doppelspitze in Partei und Fraktion ausgesprochen. Damit hatte Bartsch die Pläne Lafontaines in Frage gestellt.
Seine Aussagen will Bartsch jetzt entschärfen: Ob die Linke künftig von einem oder zwei Parteivorsitzenden geführt werde, sehe er nicht als zentrale Frage an, sagte er am Montag der Presse. "Ich glaube, das werden wir einvernehmlich vor dem Parteitag im Mai in Rostock klären."
Bartsch betonte, sein Verhältnis zu Lafontaine sei noch dasselbe wie vor einem Jahr. Bei ihren Meinungsverschiedenheiten handle es sich "nicht um grundlegende Differenzen". Hinter dem Geschacher um die Spitze verbirgt sich ein Grabenkampf zwischen Ost und West in Reihen der Linken: Ist Bartsch wichtigster Pfeiler in der Parteizentrale für die Ost-Linken, stehen die Genossen im Westen hinter Lafontaine. Möglicherweise wird Lafontaine sein Comeback an den Rückzug Bartschs knüpfen. Als potenzieller Nachfolger gilt der Lafontaine-treue Ulrich Maurer.
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