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Likörfabrik MampeAlte Elefanten jetzt in hip

Seit 1831 wird bei Mampe Schnaps gebrannt. Nun werden Erinnerungsstücke für ein neues Museum gesammelt, das auch Jüngere ansprechen soll.

Florian Löhlein zeigt die Pappmaché-Nachstellung einer alten Mampe-Flasche – damals noch mit hängendem Elefantenrüssel Foto: Pauline Cruse

In Thailand funktionierte der Verkauf 1950 noch nicht. Der Geschmack sei nicht das Problem gewesen, sondern das Logo der Berliner Likörfabrik Mampe: ein Elefant – mit hängendem Rüssel. In der thailändischen Kultur ein Unglücksbote. Das Tier sei doch tot! Für den erfolgreichen Export war also eine Anpassung des Mampe-Elefanten nötig, der seitdem nur noch mit gehobenem Rüssel unterwegs ist.

Elefanten, ob mit gehobenem oder hängendem Rüssel, finden sich im Tempelhofer Verkaufsraum von Mampe überall: als großer, roter Stahlaufsteller neben der Kasse. Als Illustrationen an den gelben Backsteinwänden. Als antike Fläschchen, deren Rüssel mit einem kleinen Korken verschlossen werden kann.

Auch auf der dunkelroten Fliege von Geschäftsführer Florian Löhlein tummeln sich die grauen Tiere. 2020 hat er die Marke, die vor allem für ihren Orangenbitterlikör 'Halb und Halb“ bekannt ist, gemeinsam mit seiner Frau und einem Mitgesellschafter vor dem Aus gerettet. Seitdem versucht er, sie aus der Altherrenecke zu holen und für ein jüngeres Publikum interessant zu machen. Mampe ist greller, vielleicht hipper, unterstützt Studentenpartys wie die Willkommensfeier der Jurastudenten der HU Berlin. Löhlein zeigt Aufnahmen des Abends. An einem Geländer über der Tanzfläche hängt ein Plakat: „I (zwei Elefanten) Mampe“.

Stolz präsentiert er den „Make-your-own“-Tisch, auf dem verschiedene Extrakte für eine eigene Mischung zur Verfügung stehen. Neben Himbeeren und Lavendel kann man sich nun wohl auch mit Oliven und Sprotten betrinken. Oder seine eigenen Etiketten gestalten, so bei einer Flasche „Pascal Kenobi Gin“ mit der Aufschrift: „Möge der Gin mit dir sein.“

Das Mampe-Team arbeitet gemeinsam an einer Sonderanfertigung für einen Kunden Foto: Pauline Cruse

Museumseröffnung im Juli

Eine enge Stahltreppe führt in den zukünftigen Museumsbereich. Dort warten Chesterfield-Sofas auf Verköstigungen, in einer Vitrine stehen Lego-Elefanten neben Mampe-Flaschen aus dem 20. Jahrhundert. Es riecht nach altem Holz und Alkohol. An den Backsteinwänden hängen Plaketten der „Steinhaber“: Unterstützer, die mit dem Kauf eines symbolischen Mauersteins Mampe durch schwierige finanzielle Zeiten halfen.

Am 3. Juli soll das neue Mampe-Museum über dem Verkaufsraum in der alten Brauerei am Tempelhofer Berg eröffnen. Eine vollständige Retrospektive aus 200 Jahren Mampe könne das Museum laut Löhlein nicht werden, zu unvollständig sei die Sammlung. Angedacht sei eher ein Sammelsurium, zusammengetragen von alten Liebhabern der Marke.

Das Museum ermöglicht hat die Mampe-Sammlerin Karin Erb, die nach ihrem Umzug nach Berlin 2003 zwar immer wieder auf alte Werbung stieß, aber in den Kneipen der Stadt nicht fündig wurde – die Marke sei „voll yesterday“, habe ihr ein Wirt gesagt. Als sie Mampes „Halb und Halb“ dann doch endlich probieren konnte, sei sie vom Geschmack begeistert gewesen.

Im Buch „Berliner Elefantenmarke“ schreibt sie: „2007 startete ich ein Mini-Mampe-Museum in meiner Wohnung.“ Später konnte Erb die Ausstellung bis 2015 in anderen Locations betreiben. Nun finden ihre Schätze ein dauerhaftes Zuhause. Zur Museumseröffnung will Löhlein alte Schätze aus den 70ern verkosten. Es ist eine Einladung an alle Berliner:innen, ihre Erinnerungen mit einem Schluck Geschichte zu begießen.

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