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Kunst in Neuköllner KleingärtenHinter den Hecken

Die 6. Britzenale Berlin bringt Kunst und Gemüse in einer Laubenpieperkolonie zusammen. Die Schau schlägt auch einen historischen Bogen zur Bundesgartenschau 1985.

Wer braucht schon die Giardini der Biennale in Venedig, wenn er Kleingartenparzellen um die Ecke sowie Kunstschaffende kennt, die sich aufs ortsspezifische Draußenarbeiten einlassen? Christoph Zwiener hat im Berliner Süden die charmante Alternative zum globalen Großkunstprojekt in der Lagunenstadt aus der Taufe gehoben. Der Bildhauer und Fotograf organisiert seit zehn Jahren die Britzenale. Mit dem Komposit aus Britz und Biennale verknüpft er Kunst und Kleingärten, bringt Künstler*innen, Pächter*innen und Publikum für ein entspanntes Wochenende im Grünen zusammen.

Die 6. Britzenale findet vom 5. bis 7. Juni 2026 statt und zeigt Arbeiten von insgesamt 21 Künstler*innen auf der immerhin etwa 500 Parzellen umfassenden Anlage „Zur Windmühle“.

Manche Parzellen sehen geradezu verwunschen aus, sind mit Bäumen und Sträuchern bewachsen wie ein Märchenschloss. Andere wirken mathematisch klar, mit viel Rasenfläche und akkurat geschnittenen Hecken. Die Auswahl der Parzellen geschieht gemeinsam mit den Künstler*innen, erklärt Zwiener: „Die einen brauchen viel Rasenfläche, andere einen ökologisch wertvollen Garten.“ Dann müssen auch die Pächter*innen überzeugt werden.

Die Ausstellung

„Britzenale 6“. Kleingartenanlage Zur Windmühle e. V., Berlin. Eröffnung: Freitag, 5. Juni, ab 18 Uhr; Ausstellung: Samstag, 6. Juni und Sonntag, 7. Juni 2026, jeweils 11–18 Uhr

Seit 58 Jahren mit dem Garten verbunden

Eine von ihnen ist Sabine Gorcke, seit mittlerweile 58 Jahren mit ihrem Garten verbunden. Sie hat ihn von ihren Eltern übernommen und schwärmt noch jetzt von ihrer glücklichen Kindheit im Freien. „Wir waren immer draußen, vier bis fünf Monate pro Jahr, haben hier richtig gewohnt“, erzählt sie der taz.

Auch zur Schule ging sie vom Garten aus. „Wir haben in Neukölln unsere Wohnung gehabt. Die Schulen waren in der Umgebung. Und dann ist man mit gerade mal sechs Jahren mit seiner großen Schwester nach vorne gelaufen zum Bus und zur Schule gefahren. Das war kein Elterntaxi bis ins Klassenzimmer“, sagt sie und lacht. Jetzt freut sie sich auf das Abenteuer Britzenale. „Ich finde die Vorstellung total schön, hier einen offenen Garten zu machen, wo die Leute reinkommen und sich das angucken.“

Ihr Garten wird eine Arbeit von Sophia Muriel beherbergen. Muriel setzt sich mit dem Begriff Sicherheit auseinander. Das ist auch in der Kleingartenanlage ein Thema. Die meisten Parzellen sind von Hecken umgeben, manche reichen weit über Augenhöhe, schirmen wie eine Wand ab, andere auf Knie- oder Bauchhöhe erlauben einen frei schweifenden Blick. Muriel entwickelt für die Britzenale ein Konzept von Soft Safety. Eine Stacheldrahtinstallation fertigt sie aus Schaumstoff, auch eine Überwachungskamera aus Schaumstoff wird es als skulpturales Objekt geben.

Ein Schiff auf dem Trockenen

Mit einem großen Objekt, einem Schiff, arbeiten auch die Künstlerinnen Marie Jeschke & Carolin Seeliger. Das Schiff, das auf dem Trockenen liegt, soll auf die Problemressource Wasser hinweisen, ihren Mangel zur Bewässerung von Obst und Gemüse etwa. Die Arbeit befindet sich auf einer freien Parzelle, wie auch das „Dorf der Türme“ von Ethan Hayes-Chute. Er imaginiert ein Verdichtungsprojekt zur Beseitigung der Wohnraummisere.

Freie Parzellen, die gerade verlassen sind, gibt es tatsächlich in der Anlage „Zur Windmühle“. Allerdings nur wenige. Bei den Künstler*innen sind sie begehrt. „Ich glaube, sie sehen sie als white cube an“, meint Zwiener. Mehr den Sinn einer Begegnung erfüllen allerdings die von Pächter*innen zur Verfügung gestellten Parzellen.

Angefangen hat das Britzenale-Projekt mit einer Parzelle in der Kleingartenanlage Morgentau, die Zwiener selbst mit Tomaten und Kartoffeln beackerte. Nach und nach erschloss er weitere Schrebergartenkolonien für Kunstprojekte. In der Anlage „Zur Windmühle“ war die Kunst sogar schon viel früher. Zur Bundesgartenschau 1985, die auf dem benachbarten Areal des heutigen Britzer Gartens ausgerichtet wurde, ließ der Bildhauer Eckhart Haisch seine Großskulptur „Ramificazione“ errichten. Im Volksmund heißt das aus gebogenen Betonsäulen bestehende Werk „Elefantenfüße“. Sie werden jetzt ins Programm der Britzenale integriert.

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