Kürzungen bei Forschungsgesellschaft: Rotstift bei Fraunhofer
Bei der Fraunhofer-Gesellschaft sollen rund 1.200 Vollzeitstellen gestrichen werden. Grund für den Sparkurs sei ein Rückgang an Aufträgen.
Bei der Fraunhofer-Gesellschaft wird der Rotstift angesetzt. Die größte öffentliche Organisation für angewandte Forschung in Europa muss sparen. Die Aufträge von staatlichen Kunden sind zurückgegangen. Im Jahr 2025 sei durch weniger Drittmittelaufträge ein strukturelles Defizit von 2 Prozent entstanden, das durch den Abbau von rund 1.200 Vollzeitstellen kompensiert werden soll, teilte Fraunhofer-Präsident Holger Hanselka den Beschäftigten in einer internen Videokonferenz mit.
„Um Fraunhofer konsequent noch resilienter und wieder finanziell stabil aufzustellen, müssen wir handeln“, erklärte Hanselka. Beim Personalabbau solle auf Sozialverträglichkeit geachtet werden. „Bei einer natürlichen Fluktuation von jährlich rund 8 Prozent ist dies eine lösbare Aufgabe“, so Hanselka.
In der Vergangenheit sei ein Teil des Wachstums der Fraunhofer-Gesellschaft, die 30.900 Beschäftigte hat und 2026 ein Budget von 3,2 Milliarden Euro, durch „einen überproportionalen Anteil an öffentlichen Mitteln“ getragen worden, die jedoch „nicht durch Anschlussfinanzierungen verstetigt werden konnten“, berichtete der Fraunhofer-Präsident aus der Münchner Zentrale. Vor dem Hintergrund der aktuellen „Rahmenbedingungen wie steigender Kosten, schwacher Konjunktur, knapper werdenden öffentlichen Mitteln und geopolitischen Unsicherheiten“ müsse nach neuen Lösungen für eine „langfristige Tragfähigkeit“ gesucht werden.
Das Modell des Vorstands, das Hanselka präsentierte, nennt sich „Transform FhG“ und soll über drei Teilprojekte eine Ertragssteigerung, Effizienzsteigerung und Kostensenkung sowie die Konsolidierung des Personalhaushalts erreichen.
Neben den bundesweit 75 Instituten soll auch die Zentralverwaltung der Forschungsorganisation in München auf den Prüfstand gestellt werden. Für dieses „ZV ReDesign“ genannte Projekt wurde eigens die Unternehmensberatung Roland Berger engagiert. Die direkten Gespräche mit den Instituten über Einsparungen sollen noch im Juni beginnen, um zu Ergebnissen bis zum Jahresende zu kommen. Beratungen mit dem Betriebsrat, vor allem zu den Veränderungen im Münchner Vorstand, gab es schon im Mai.
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Die anstehenden Einschnitte werden auch Gesprächsthema bei der Fraunhofer-Jahrestagung sein, die am 10. Juni 2026 unter dem Motto „Transfer für unsere Zukunft“ in Leipzig stattfindet. Einer der Hauptredner ist Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender der BMW AG und stellvertretender Vorsitzender des Senats der Fraunhofer-Gesellschaft, dessen Unternehmen selbst mit einschneidenden Veränderungen in der Mobilitätstechnik befasst ist. Festlicher Höhepunkt ist die jährliche Verleihung der Joseph-von-Fraunhofer-Preise an junge und arrivierte Forscher.
Korrekturhinweis: In einer früheren Version war von einem Rückgang der Aufträge der deutschen Industrie die Rede. Das ist nicht der Fall.
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