Künstliche Inteligenz: Die Schattenseiten der Technik
KI ist überall: Sogar in Dating, Kunst und Musik. Big Tech treibt ihre Entwicklung voran. Doch auf Mensch und Umwelt wirkt sie sich oft negativ aus.
E igentlich sollte Künstliche Intelligenz den Alltag erleichtern. So das Versprechen von Big Tech. KI übernimmt theoretisch die Aufgaben, mit denen wir Menschen uns nicht gerne beschäftigen wollen – oder können. KI soll effizienter sein, mehr leisten als wir.
Doch effizient ist die Technologie nicht nur in den Bereichen, die wir gerne abtreten. Sie übernimmt auch Aufgaben, die uns eigentlich Spaß machen. So explodieren etwa KI-generierte Kunst und Musik. Dabei werden diese Werke von einer Maschine erzeugt und entbehren jeden künstlerischen Wert.
In fast alle Lebensbereiche ist KI bereits eingedrungen. Wir stellen Fragen an KI-Chatbots, die möglicherweise Falschinformationen halluzinieren. Ein Großteil der Medien, die wir konsumieren, ist KI-generiert. Jedes Foto oder Video, auf das wir stoßen, müssen wir bezüglich seiner Echtheit hinterfragen. Hinzu kommen unnötige Tools, die gewöhnliche Haushaltsgeräte bereithalten. Braucht ein Kühlschrank wirklich eine KI-Funktion?
Mittlerweile haben viele Menschen gar keine Lust mehr auf Künstliche Intelligenz im Alltag, die uns langsam, aber sicher alle Autonomie raubt. Big-Tech-Firmen wie Google und Amazon treiben diese Entwicklung auf Kosten der Menschen eigennützig voran. Um Algorithmen und KI-Modelle zu trainieren, sind große Rechenzentren nötig, die Unmengen an Strom und Ressourcen verbrauchen.
Diese Rechner müssen ständig gekühlt werden und benötigen dafür mehrere tausend Liter Wasser – pro Tag. Wenn sich Technologiekonzerne in Städten ansiedeln, verlieren die Menschen dort außerdem dringend benötigten Wohnraum. Die Bewegung gegen Big Tech, und damit auch KI, nimmt auch aus diesen Gründen Fahrt auf. In Berlin widersetzt sich die antikapitalistische Bewegungskonferenz „Cables of Resistance“, die am 12. April stattfindet, den großen Technologiekonzernen.
Kehrseite der digitalen Revolution
Zahllose Serien, Bücher und Filme prophezeien schon seit Jahren die Kehrseite der digitalen Evolution und KI insbesondere. Es handelt sich gleichwohl um Fiktion, die dennoch verdächtig realitätsnah wirkt. Wir denken an „Ex Machina“, „Matrix“ oder „Black Mirror“. Filme und Serien, die uns eine Version der Zukunft präsentieren, in der Maschinen in der Lage sind, Menschen zu unterwerfen.
Im Grunde kontrollieren uns Big Tech und KI bereits jetzt, wenn auch in geringerem Ausmaß. Sie bestimmen, was wir wahrnehmen, konsumieren und mit wem wir interagieren. Politisch polarisierender Content wird besonders häufig ausgespielt. Auch wie viel Zeit wir online verbringen, kontrollieren sie – das massive Suchtpotenzial algorithmischer Plattformen sorgt für hohe Bildschirmzeiten.
Die Allgegenwärtigkeit von KI zieht Fragen nach sich. Was macht den Menschen aus, was kann nicht ersetzt werden? Denn sogar unser Verständnis von Liebe und Dating wird von KI verändert. Apps, die dazu imstande sind, eine:n Traumpartner:in zu entwerfen und vermeintlich tiefgründige Gespräche mit uns führen können, drohen, menschliche Beziehungen zu ersetzen.
Hier verflechtet sich KI auch mit Incel-Culture. Junge, einsame Männer, die sich bei der Partnerinnensuche schwertun, greifen vermehrt auf Künstliche Intelligenz zurück, die menschliche Nähe imitiert und auch optisch die perfekten Frauenkörper inszeniert. Dabei setzt die KI unerreichbare Standards für Frauen. Denn so unterwürfig, so zugewandt und bedürfnislos kann und will kein echter Mensch sein.
Ein grundlegendes Problem ist die Kommerzialisierung von KI. Wie man sie einsetzt, macht am Ende den Unterschied. Natürlich können KI-Modelle auch sinnvoll genutzt werden, zum Beispiel in der medizinischen Diagnostik oder für die Vorhersage von Naturkatastrophen.
Diese Lichtblicke rechtfertigen jedoch nicht die explosionsartige Errichtung riesiger Rechenzentren für kommerzielle Zwecke, mit der wir uns derzeit konfrontiert sehen. Wenn Wachstum unaufhaltsam ist, so muss es zumindest stärker reguliert werden. Mittlerweile ist klar, dass Big-Tech-Firmen nicht daran interessiert sind, das Leben der Menschen zu erleichtern. Hingegen wird ihrer Profitgier hinter dem Vorwand des technologischen Fortschritts keine Grenze gesetzt.
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