Kroatischer Kriegsverbrecher: Provokation mit Hitler-Wein

Der in Bosnien lebende Kroate Branimir Glavaš hetzt weiterhin gegen Serben. Der Prozess gegen ihn wegen Kriegsverbrechen wird neu aufgerollt.

Branimir Glavaš in der Zentrale der rechtsextremen Regionalpartei HDSSB 2015

Ehemaliger kroatischer General und Kriegsverbrecher: Branimir Glavaš Foto: EST&OST/imago

Zwei Weinflaschen stehen auf einem Tisch, auf deren Label deutlich Adolf Hitler mit der Aufschrift „Führerwein“ abgebildet ist. So zu sehen auf einem Facebook-Bild des ehemaligen kroatischen Generals und verurteilten Kriegsverbrechers Branimir Glavaš – veröffentlicht just in den Tagen, an denen der kroatische Präsident und Sozialdemokrat Zoran Milanović die Kroatengebiete Bosnien und Herzegowinas besucht.

Eine bewusste Provokation? Denn der 1956 in Osijek geborene Scharfmacher Glavaš wittert Morgenluft, weil sein Prozess wieder aufgerollt werden soll. Er möchte von der Anklage der Kriegsverbrechen gegen serbische Zivilisten im Sommer 1991 während der Jugoslawienkriege freigesprochen werden. Er wird darin bestärkt, weil Präsident Milanović ihm Anfang Mai alle beim Prozess aberkannten Titel und Auszeichnungen wieder verliehen hat.

Glavaš wurde 1991 Organisator der Verteidigung der Region Ostslawonien, weil er sich zuvor mit einer Truppe von rechtsradikalen Schlägern als Verteidiger der Kroaten der Region präsentierte. Die Region Slawonien umfasst eine fruchtbare Ebene, die von den Flüssen Save und Donau begrenzt wird. Sie galt vor dem letzten Krieg als eine Vielvölkerregion, wo die Menschen friedlich zusammenlebten.

Doch die Nationalisten beider Seiten schürten Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen. Der serbische Extremist Vojislav Seselj rief die serbische Bevölkerung zur Gründung eines Großserbiens auf und rief sie zu den Waffen, Glavaš forderte im Gegenzug, die serbische Bevölkerung aus der Region zu werfen.

Er ist angeklagt, den populären Polizeichef der Region, Josip Reihl-Kir, der bis zum Ausbruch der Kämpfe versuchte, die Konflikte friedlich zu lösen, ermorden lassen zu haben. Nachdem serbische Truppen die Grenzstadt zu Serbien, Vukovar, völlig zerstört, Hunderte Menschen ermordet und alle Kroaten vertrieben hatten, bekam Glavaš freie Hand, ethnische Säuberungen gegen Serben umzusetzen – er selbst soll sechs Zivilisten ermordet haben.

Als „starker Mann“ wurde er im Nachkriegskroatien sogar ins Parlament gewählt und schaffte es nach seinem Bruch mit der Nationalpartei HDZ mit einer eigenen Partei, Mehrheiten zu gewinnen. Immerhin wurde Glavaš am 2009 durch ein kroatisches Gericht der Kriegsverbrechen für schuldig befunden und in erster Instanz zu 10 Jahren Haft verurteilt. Seine Strafe trat er nie an, sondern zog sich nach Bosnien und Herzegowina zurück, wo er ebenfalls Staatsbürger ist.

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