: Krisenpläne in Israel
Barak und Scharon noch im Gespräch. Marokko und Tunesien brechen Beziehungen zu Israel ab. Zwei Jungen gestorben. 130. Todesopfer gezählt
JERUSALEM afp/dpa/taz ■ Während Regierung und Opposition in Israel über die Bildung einer Notstandsregierung verhandeln, halten die Unruhen in den Palästinensergebieten an. Auf die von Israels Ministerpräsident Ehud Barak beschlossene Aussetzung des Friedensprozesses haben Marokko und Tunesien mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen reagiert.
Auch am zweiten Tag ihrer Gespräche über die Regierungsbeteiligung des konservativen Likud-Blocks sind Israels Ministerpräsident Barak und Oppositionsführer Scharon zu keinem Ergebnis gelangt. Barak traf auch Vertreter der Nationalreligiösen und der Schinui-Partei. Der frühere Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der wieder zunehmend populärer wird, erklärte, Israel müsse sich für eine „Politik der Abschreckung“ entscheiden. Eine Regierungsbeteiligung des Likud solle an vorgezogene Neuwahlen geknüpft werden.
Bei Auseinandersetzungen mit dem israelischen Militär wurden am Dienstag im Gaza-Streifen und im Westjordanland mindestens zwölf Palästinenser verwundet, ein 13-jähriger Junge, der am Sonntag angeschossen worden war, erlag seinen Verletzungen. Ein weiterer Jugendlicher wurde am Grenzübergang Erez von einem Gummigeschoss getroffen und starb. Er ist das 130. Todesopfer des seit Wochen anhaltenden Konflikts. Auch zwischen der vom Militär belagerten Ortschaft Beit Dschallah und der jüdischen Siedlung Gilo kam es wieder zu Schusswechseln. Am späten Nachmittag begannen in mehreren Städten der Autonomiegebiete Protestmärsche. Militante Organisationen wollten dabei die Abriegelung der Gebiete durchbrechen.
Mit Verweis auf den Abbruch des Friedensprozesses hatte bereits am Sonntag Tunesien die diplomatischen Beziehungen zu Israel abgebrochen, am Montag gab auch Marokko die Schließung seiner seit 1994 bestehenden Vertretung in Tel Aviv bekannt. Nach israelischen Zeitungsberichten hat der Generalsekretär der palästinensischen Verwaltung, Achmed Abdel-Rachman, vorgeschlagen, den Papst um Vermittlung im Konflikt zu bitten. EP
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