Kriminalität in der Ukraine: Geiselnahme in Bus

In der ukrainischen Stadt Luzk hat ein Mann einen Bus gekapert und mindestens zehn Geiseln genommen. Die Forderungen des Täters sind unkonkret.

Der Bus indem 10 Geiseln um ihr Leben bangen

Der Bus, in dem mindestens zehn Geiseln um ihr Leben bangen Foto: Mykola Martyniuk/reuters

MÖNCHENGLADBACH taz | Ein schwer bewaffneter Mann hat am Dienstagmorgen in der westukrainischen Stadt Luzk einen Bus in seine Gewalt gebracht und droht mit der Tötung aller Geiseln, sollte die Polizei den Bus stürmen. Nach Angaben der Polizei befinden sich 20 Personen in dem Bus, der Inlandsgeheimdienst SBU spricht hingegen von 10 Geiseln. Mehrfach sei aus dem Bus geschossen worden, auch eine Granate sei aus dem Bus geworfen worden.

Um 9.25 Uhr ging ein diensthabender Polizist in Luzk ans Telefon. „Ich bin Maxim Plochoj“, stellte sich der Mann am anderen Ende der Leitung vor. Er sei Autor des 2014 erschienen Buches „Die Philosophie eines Verbrechers“, sagte der Anrufer und teilte mit, dass er soeben einen Bus in seine Gewalt gebracht habe.

Die Forderungen des Entführers seien bekannt, jedoch wenig konkret, ließ der Polizeichef des Gebietes Wolyna, Jurij Kroschko, verlauten. So habe der Täter, dessen tatsächlicher Name Maxim Kriwosch ist und der aus dem westukrainischen Dubno stammt, gefordert, dass der Präsident des Landes, der Generalstaatsanwaltschaft, der Justizminister, der Innenminister, der Chef des Inlandsgeheimdienstes sowie andere hohe Beamte im Internet eine Videomessage veröffentlichten, auf der sie sich selbst als Terroristenanführer bezeichnen. Schließlich, so die Argumentation des Entführers, sei der Staat der größte Terrorist.

An Präsident Wolodimir Selenski erging überdies die Aufforderung, im Fernsehen den 2005 gedrehten Film „Earthlings“ zeigen zu lassen. „Earthlings“ thematisiert die Ausbeutung der Tiere durch den Menschen.

Mit Sprengsatz gedroht

Eine Geisel zwang der Entführer, ihren Sohn anzurufen, damit dieser Journalisten über das Geschehen informiere. Und er ließ wissen, dass er an einem belebten Ort in der Stadt einen Sprengsatz versteckt habe, den er jederzeit fernzünden könne. Die Polizei ist in ständigem Kontakt mit dem Entführer. Dieser beende aber immer wieder von sich aus die Gespräche, so Interfax.

Präsident Selenski hat die Entführung zur Chefsache gemacht und angekündigt, dass man alles Mögliche tue, um die Situation ohne Opfer unter Kontrolle zu bekommen. Innenminister Arsen Awakow ist inzwischen in Luzk eingetroffen, die Polizei hat das Gelände weiträumig abgesperrt und gleichzeitig der Bevölkerung geraten, zu Hause oder am Arbeitsplatz zu bleiben.

Der Entführer ist offensichtlich ein Psychopath und Einzelgänger. Gerne zeigt sich Kriwosch im Internet mit einer Waffe in der Hand. Sein 2014 erschienenes 500 Seiten starkes Buch strotzt geradezu vor Gewaltverherrlichungen. „Was ist Freiheit“, fragt er an einer Stelle. Und liefert die Antwort gleich mit: „Das Paradies. Und wie kann man dahin gelangen? Indem man Verbrecher wird.“

An anderer Stelle schwelgt Kriwosch, der von sich behauptet, schon mit 17 Chef einer Bande gewesen zu sein, in einem Gefühl von Überlegenheit, das er als einsamer Wolf verspüre. Das Einzige, was er nicht sein könne, sei, kein Verbrecher zu sein. Zehn Jahre hatte der 45-jährige Kriwosch hinter Gittern gesessen, unter anderem wegen Raubes und illegalen Waffenbesitzes.

Unterdessen wurde bekannt, dass auch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew eine Bombendrohung im Einkaufszentrum Ocean Plaza an der U-Bahn-Station Minska eingegangen ist. Das Gebäude wurde sofort geräumt.

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