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Krieg in SudanAngriff auf Sudans sicheren Hafen

Sudans aus Khartum vertriebene RSF-Miliz beschießt den Flughafen von Port Sudan. Auch die Hafenstadt ist jetzt offenbar nicht mehr sicher.

Dominic Johnson

Aus Berlin

Dominic Johnson

Zum ersten Mal in zwei Jahren Krieg in Sudan ist Port Sudan, das seit Kriegsbeginn als provisorischer Regierungssitz dient, Ziel von Luftangriffen geworden. Drohnen der aufständischen Miliz RSF (Rapid Support Forces) schlugen am frühen Sonntag morgen in der Luftwaffenbasis nahe dem Flughafen 20 Kilometer südlich der Stadt ein, berichtete Sudans Armee. Es soll zwar keine Opfer gegeben haben, Videos zeigten aber einen Feuerball und dichte Rauchwolken über der Anlage. Der Flugverkehr musste eingestellt werden.

Im Vergleich zu sonstigen verheerenden Luftangriffen in einem Krieg, der unabhängigen Schätzungen zufolge mindestens 150.000 Tote in zwei Jahren gefordert hat, erscheint der Angriff geringfügig. Aber Port Sudan ist Sitz von Sudans Regierung sowie aller Einrichtungen der UNO und anderer internationaler Institutionen in Sudan, seit die Hauptstadt Khartum am 15. April 2023 Kriegsschauplatz wurde und in den folgenden Wochen alle Ausländer evakuiert wurden und mehrere Millionen Menschen die Flucht ergriffen. Die Hafenstadt am Roten Meer gegenüber von Saudi-Arabien 600 Kilometer östlich von Khartum galt als sicher und wurde bis jetzt nie angegriffen.

Im März hatte Sudans Armee die RSF aus Khartum verjagt und damit unter vielen Flüchtlingen Hoffnungen auf eine mögliche Rückkehr geweckt. Die RSF war auf ihre Hochburgen in der westsudanesischen Region Darfur zurückgeworfen worden. Indem sie nun von dort aus das 2.000 Kilometer entfernte Port Sudan beschießen kann, macht sie deutlich, dass kein Ort in Sudan sicher ist. Zuvor hatte die RSF bereits andere ostsudanesische Städte beschossen. Die Armee hatte ihrerseits Angriffe auf die größte RSF-gehaltene Stadt Nyala in Darfur geflogen.

Berichten zufolge wurde Port Sudan mit Drohnen chinesischen Fabrikats beschossen, die eine Reichweite von 2.000 Kilometer haben und Sprengköpfe von 40 Kilogramm transportieren können. Sie sollen der RSF von den Vereinigten Arabischen Emiraten geliefert worden sein.

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag verhandelt derzeit über eine Klage der Regierung Sudans gegen die Emirate wegen Unterstützung eines Völkermordes per Unterstützung der RSF. Am Montag wird eine Entscheidung des Gerichts über von Sudan geforderte „provisorischen Maßnahmen“ gegen die Emirate erwartet.

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