Kopftuchstreit an Schulen in Indien: Protest im Klassenzimmer
Der Streit um das Tragen von muslimischen Kopftbedeckungen im Unterricht ist in Indien eskaliert. Nun entscheidet ein Gericht.
Muskan Khan, eine Burka tragende Oberschülerin mit erhobener Faust, ist zu einem Symbol des Widerstands im indischen Bundesstaat Karnataka geworden – inmitten von religiösen Spannungen, die sich in Südindien auch an den Schulen zutragen. Eine Oberschule hatte im südwestlichen Udupi Schülerinnen mit islamischer Kopfbedeckung den Zugang zum Klassenzimmer verweigert. Diese hatten geklagt. Ein Gerichtsprozess in der Angelegenheit begann am Montag und soll am Dienstag fortgeführt werden.
Nachdem weitere Bildungsinstitutionen Verbote gegen die Kopfbedeckung im Unterricht ausgesprochen hatten, kam es in den vergangenen Tagen zu Protest und Auseinandersetzungen an mehreren Schulen. In einer Nachbarstadt trugen die Dalit unter den Schüler:innen – die veraltet Unberührbaren des Kastensystems – im Unterricht blaue Schals, um ihren muslimischen Mitschülerinnen Solidarität zu zeigen. Befürworter:innen des Verbots trugen Safran-farbene Schals um den Hals, die für den Hinduismus stehen. Wegen des Streits waren vergangene Woche viele höhere Schulen in Karnataka für drei Tage geschlossen.
Am 11. Februar erließ ein Gremium unter der Leitung des Obersten Richters Ritu Raj Awasthi eine einstweilige Anordnung, die den Staat aufforderte, die Bildungseinrichtungen wieder zu öffnen. Darin wurde den Schüler:innen auch untersagt, religiöse Kleidung im Klassenzimmer zu tragen, bis das Gericht die Angelegenheit entschieden habe. Damit solle „Frieden und Ruhe“ bewahrt werden.
Betroffene hatten vor Gericht gegen das Verbot geklagt: Ihre Ausbildung sei gefährdet, wenn sie mit Kopfbedeckung nicht in den Unterricht dürften. Das Verbot beschneide ihr Recht auf freie Entscheidung. Bei der Gerichtsverhandlung am Montag forderte der Anwalt der Mädchen, Kopfbedeckungen in der Farbe der jeweiligen Schuluniformen zuzulassen. Eine Entscheidung wird für Dienstag erwartet.
„Ausgrenzung“ muslimischer Frauen
Die Nobelpreisträgerin und Frauenrechtsaktivistin Malala Yousafzai unterstützt die Schüler:innen. Sie forderte die indische Regierung auf, die „Ausgrenzung“ muslimischer Frauen zu beenden, und äußerte sich besorgt. „Die Verweigerung, Mädchen mit Hijabs zur Schule gehen zu lassen, ist entsetzlich“, twitterte sie. Die Objektivierung von Frauen halte an.
Auch die Opposition äußerte Kritik: „Die (hindunationalistische Regierungspartei, Anm. d. R.) BJP ruiniert Indiens Wirtschaft, indem sie die religiöse Harmonie verletzt“, sagte Chandrasekhar Rao von der Lokalpartei TRS und Ministerpräsident des benachbarten südindischen Bundesstaates Telangana. Die BJP würde Karnataka in ein zweites „Kaschmir verwandeln“, indem sie Gewalt zwischen sozialen und religiösen Gruppen fördern würde. Unter der Regierung des Hindunationalisten Narendra Modi gerät die muslimische Minderheit des Landes zunehmend unter Druck.
Kritische Stimmen beklagen jedoch, dass das Tragen von Ganzkörperschleiern zugenommen habe. Die Bedeckungen seien nie im Klassenzimmer, sondern nur auf dem Schulgelände erlaubt gewesen.
Während am Montagmorgen die Oberschulen wieder ihre Türen öffneten, ging in Karnataka der Protest still weiter – mit Ballons und Zetteln, die sich auf die indische Verfassung berufen. Mancherorts wurde ein Versammlungsverbot ausgesprochen.
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