piwik no script img

Konzertempfehlungen für BerlinMary Ocher musiziert und diskutiert

Nicht nur Musik bekommen Zu­hö­re­r*in­nen diese Woche geboten. Die Künst­le­r*in­nen liefern Debatten und Sprachkenntnisse gleich mit.

E in Album zur Zeit zu machen und es „Weimar“ nennen, ist eine Ansage. Worauf die Avant-Pop Künstlerin Mary Ocher genau abzielt, erfährt man am Freitag – da wird sie das Album mit einer Solo Piano Show vorstellen. Anders als beim Vorgänger „Your Guide To Revolution“, der trotz abgründiger Themen munter groovte, klingt die wandelbare Musikerin diesmal tiefgründig und kammermusikalisch.

Ocher jüngste Releases hatten allesamt theoretisches Beiwerk, etwa in Gestalt von Essays. Diesmal gibt es vorab ein Panel zu „Individual Freedoms & Censorship – Past 100 Years to Today“ – was auch hierzulande gerade verstörend aktuell klingt. Beim Panel dabei sind die Künstlerin Zoncy Heavenly aus Myanmar, der nordirische Historiker Finn Ballard, die Exil-Iranerin und Musikerin FarAvaz und der Journalist Hanno Hauenstein. (Galiäakirche, 13. 3., 19.30 Uhr)

Am Sonntagnachmittag lädt dann die Reihe Kantine Musik in die Kuppelhalle. Es soll dabei ebenso ums Soziale gehen wie um die Sounds. Die Idee: Das Publikum kommt zum Musikmachen und -erleben zusammen; es entsteht „ein offener Raum für eine generationsübergreifende Community“. Wer mitwirkt, klingt schon einmal vielversprechend: unter anderem der Saxofonist Johannes Schleiermacher, die in Sachen Klangerzeugung höchst kreative Bex Burch und der Trompeter und Pianist Sebastian Studnitzky (der übrigens zudem Festivalleiter des XJAZZ! ist, welches gerade wegen nicht ausgezahlter Fördergelder (!) abgesagt wurde) (Silent Green, 15. 3., 15–19 Uhr)

Am Dienstag beehrt der charmante, feinsinnige und produktive Gruff Rhys (man kennt ihn als auch Super Furry Animal) unsere Stadt. Und hat nicht nur sein neues Soloalbum „Dim Probs“ im Gepäck, sondern einen Sprachkurs – singt er doch in seiner Muttersprache Walisisch. Und trotzdem gelingt es Rhys immer wieder, sein Publikum zum Singalong zu bringen. (17. 3., 20 Uhr)

Weil ihnen anfangs ein Proberaum fehlte, groovte man sich in der Küche aufeinander ein

Angefangen hat Jimi Tenors neue Band als A-Cappella-Ensemble. Tenor, der vor knapp 30 Jahre zum Amalgamierer von Lounge Jazz and Acid Techno wurde, trommelte während der Pandemie Musiker für eine neue Band zusammen. Doch ihnen fehlte zunächst ein Proberaum. Also groovte man sich in Tenors Küche aufeinander ein – singend. Seither ist an Klangschichten einiges dazugekommen. Letztes Jahr nahm die Band in Hamburg ihr ziemlich tolles Debüt auf: organischer Jazz trifft auf Afrobeat und Easy Listening. Der erste Abend ist ausverkauft, für den zweiten gibt es noch Karten (Arkaoda, 19. + 20. 3., 20 bzw 19 Uhr)

Im Zweifelsfall die Badehose einpacken: Falls es nichts wird mit Jimi Tenor, kann man ums Eck im Schwimmbad vorbeischauen. Dort geben Gudrun Gut und das Trio Wellenbrecher ein Unterwasserkonzert – ihre elektronischen Soundscapes sind im Eintritt inbegriffen (Stadtbad Neukölln, 20 + 21. 3., 20 Uhr)

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare