Konversion zu Rüstungsunternehmen: VW-Werk zu Waffenfabrik? Bloß nicht!
Von Osnabrück bis Wedding: Aus immer mehr Autostandorten sollen Rüstungsbetriebe werden. Aber der Widerstand dagegen wächst.
Die Konkurrenz aus China, der langsame Umstieg auf die E-Mobilität – die Krise der deutschen Autohersteller ist offenkundig. Hersteller und Zulieferer bauen Stellen ab, schließen Produktionsstandorte. Im VW-Werk Osnabrück etwa läuft die Fahrzeugproduktion Mitte 2027 aus und Volkswagen verhandelt – unter anderem mit dem deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS.
Es wäre nicht das erste Mal, dass die boomende Rüstungsindustrie von der kriselnden Autobranche profitiert. Die Umwidmung von Industriezweigen für die Waffenschmieden ist mehr als ein Trend.
Gegen das Vorhaben in Osnabrück haben Aktivist*innen eine Petition „Osnabrück muss Friedensstadt bleiben“ gestartet. Der Titel nimmt Bezug auf die historische Rolle Osnabrücks – 1648 wurde hier der Westfälische Frieden zur Beendigung des 30-jährigen Krieges geschlossen. Bis heute wirbt die Stadt mit diesem Image. Die Organisator*innen der Petition halten das nun für gefährdet.
Fabrikarbeiter in Osnabrück
„Wer hier Waffen produzieren will, greift diese Identität direkt an. Was hier geplant ist, ist nicht einfach ein Eigentümerwechsel – es ist ein politisches Signal: weg von ziviler Produktion, hin zu militärischer Aufrüstung“, heißt es in der Petition. „Das dürfen wir nicht hinnehmen.“ Alle Verhandlungen mit Rüstungskonzernen müssten gestoppt werden. Zugleich fordern die Organisator*innen, dass die Volkswagen AG die 2.300 Arbeitsplätze mit ziviler Produktion erhält.
Rheinmetall im Berliner Wedding
Die gleichen Ziele verfolgt auch die Zukunftswerkstatt Osnabrück, in der sich Initiativen und Einzelpersonen zusammengeschlossen haben, um eine Rüstungsproduktion zu verhindern. Darunter sind auch Kolleg*innen des VW-Werks. Diese sagen aber auch, dass sie in der Belegschaft nicht die Mehrheit stellen. „Viele der Beschäftigten haben Angst um ihren Arbeitsplatz und denken, der würde durch Rüstung gesichert“, sagt ein Osnabrücker VW-Arbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.
Für ihn ist es wichtig, zivile Alternativen aufzuzeigen, mit denen Arbeitsplätze gesichert werden könnten: Wenn es nach den Ideen der Zukunftswerkstatt geht, sollen unter dem Motto „ÖPNV statt Panzer“ künftig Bahnen und Busse in dem Werk produziert werden.
Woanders ist die Konversion schon einen Schritt weiter, ohne dass sich die Proteste gelegt hätten. In Berlin-Wedding ist aus dem ehemaligen Pierburg-Werk bereits Rheinmetall geworden. Die Umrüstung ist im Gange. Bald sollten dort Waffenteile hergestellt werden. Doch der Widerstand wächst.
Antimilitaristische Aktionstage
Getragen wird er vor allem von Initiativen aus dem Stadtteil. „Wir haben in Haustürgesprächen die Bewohner*innen informiert, dass Rheinmetall hier einzieht. Viele waren sehr empört“, sagt Katja von der Initiative „Hände weg vom Wedding“. Sie will in den nächsten Wochen 5.000 Unterschriften unter dem Motto „Rheinmetall ist kein guter Nachbar“ sammeln.
Auch das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion beteiligt sich an Protesten gegen die Rüstungsschmiede. Vom 10. bis 12. Juli sind rund um das Werk antimilitaristische Aktionstage geplant. Neben Kundgebungen und Diskussionsveranstaltungen in einem Zelt im Park am Humboldthain sind auch Demonstrationen geplant. Die Antimilitarist*innen hoffen, dass sie auch in Kontakt mit den Beschäftigten kommen. Das erwies sich bisher als schwierig.
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