piwik no script img

„Keine Waffenfabrik im Kiez“Geld für Soziales statt für die Aufrüstung

Stadtteilgruppen im Wedding starten die Kampagne „Mein Bezirk für den Frieden“. Protestaktion vor dem Atomschutzbunker, der reaktiviert werden soll.

„Berlin braucht Wohnungen statt Bunker“, stand auf dem Transparent, mit dem sich kürzlich rund 20 Personen vor dem Atomschutzbunker am Gesundbrunnen postierten. Es sind Mitglieder des Stadtteilkomitees und der Organisation Hände weg vom Wedding.

Die beiden Initiativen sind seit Jahren im Wedding aktiv, protestieren gegen Verdrängung von einkommensarmen Menschen und den Leerstand von Wohnungen. Jetzt haben die beiden Stadtteilgruppen die Kampagne „Mein Bezirk für den Frieden“ gestartet. Die Protestaktion vor dem Atomschutzbunker, der reaktiviert werden soll, ist ein Teil der Kampagne.

„Unser Bezirk braucht keine neuen militärischen Strukturen, sondern mehr bezahlbaren Wohnraum und soziale Angebote, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren“, fasst Marc Seilheimer von Hände weg vom Wedding gegenüber der taz das Credo der Kampagne zusammen.

Unser Bezirk braucht keine neuen militärischen Strukturen, sondern mehr bezahlbaren Wohnraum und soziale Angebote, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren

Marc Seilheimer, „Hände weg vom Wedding“

„Sicherheit entsteht nicht durch Aufrüstung, sondern durch gute Bildung, eine funktionierende Gesundheitsversorgung, bezahlbare Wohnungen, soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität. Die Ressourcen, die für Militär und Kriegsvorbereitung ausgegeben werden, fehlen dort, wo sie heute das Leben der Menschen tatsächlich verbessern könnten“, betont Seilheimer den Zusammenhang zwischen den Kampf gegen Aufrüstung und den Sozialabbau im Stadtteil zusammen.

Ak­ti­vis­t*in­ne sammeln Unterschriften

In den nächsten Wochen wollen die Ak­ti­vis­t*in­nen im Stadtteil Unterschriften unter 10 Forderungen sammeln. „Keine Bundeswehrwerbung und -rekrutierung im Stadtteil“ gehört ebenso dazu wie „Keine Waffenfabrik im Kiez“. Diese Forderung bezieht sich auf die Rheinmetall-Filiale am Humboldthain, die aktuell auf die Rüstungsproduktion vorbereitet wird.

Über viele Jahre hatte die Firma Pierburg auf diesem Areal Autozubehör produziert. Seit über einem Jahr gibt es Proteste gegen die neue Rüstungsfabrik im Kiez. Mein Bezirk für den Frieden hat sich in den nächsten Wochen viel vorgenommen. Auf dem Buttmannstraßenfest am 4. Juli will die Initiative ebenso Unterschriften sammeln, wie während der Aktionstage gegen Rheinmetall im Wedding, die am 10. bis 12. Juli in einem Zelt im Humboldthain stattfinden sollen.

Seilheimer betont, dass die Initiative Mein Bezirk für den Frieden vor allem die Be­woh­ne­r*in­nen im Wedding erreichen will, die noch nicht politisch aktiv sind. Die Initiative ist strikt außerparlamentarisch, „Wir unterstützen keine Partei. Aber wir wollen der neuen Bezirksverordnetenversammlung (BVV) unsere Forderungen vorlegen“, betont der Aktivist.

Die BVV-Wahlen finden wie die Abstimmung zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September statt. Bis dahin plant die Initiative auch Kiezspaziergänge zu Orten der Aufrüstung im Wedding. Zudem soll im Interbüro in der Genter Straße 60 eine Beratungsstelle für junge Menschen eingerichtet werden, die den Wehrdienst verweigern wollen. Mittlerweile diskutieren auch Jugendeinrichtungen im Wedding, wie sie die Initiative Mein Bezirk für den Frieden unterstützen können.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • „Sicherheit entsteht nicht durch Aufrüstung, sondern durch gute Bildung, eine funktionierende Gesundheitsversorgung, bezahlbare Wohnungen, soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität. Die Ressourcen, die für Militär und Kriegsvorbereitung ausgegeben werden, fehlen dort, wo sie heute das Leben der Menschen tatsächlich verbessern könnten“



    Jetzt muss man das nur noch dem nach Fläche größten Land der Welt beibringen, dann können wir militärisch wieder auf den Stand von 2021 gehen.

    • @Luftfahrer:

      Ich habe mich auch gerade gefragt, weshalb Russland die Ukraine angegriffen hat: War die Bildung in der Ukraine zu schlecht? Oder die Gesundheitsversorgung? Oder die Mieten zu hoch?



      Grönland hingegen soll in allen Punkten ja relativ gut dastehen. Damit sollte die Gefahr durch Trump dann ja gebannt sein.



      Ebenso absurd, dass da viele gegen das Auto sind, sich nun aber wundern, wenn die Firma Pierburg nicht mehr durch die Produktion von Autoteilen überleben kann.



      Was allerdings stimmt: Die Ressourcen, die für Rüstung ausgegeben werden, fehlen woanders.



      Aber die niedrigen Rüstungsausgaben in den letzten Jahrzehnten waren ein außergewöhnlicher Sonderfall. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass ein größerer Teil unseres Wohlstandes wieder in die militärische Sicherung fließen wird.