Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga: Die Ballerbude

Die Fußball-Bundesliga ist besser als ihr Ruf: Bei Chancen und Toren liegt Deutschland über dem Soll. Welche Vorteile bringt das?

Bumm: Stuttgarts Sasa Kalajdzic schießt das Tor zum 1:0 gegen den 1. FC Köln.

Bumm: Stuttgarts Sasa Kalajdzic schießt das Tor zum 1:0 gegen den 1. FC Köln Foto: Tom Weller/dpa

Die Bundesliga wird verkannt. Sie wird manchmal sogar als abgehängt beschrieben. Die anderen seien besser und voraus: Die Premier League, La Liga und die Serie A. Aber stimmt das denn? An diesem letzten Spieltag der Saison ging es in der Liga wie immer am 34. Spieltag hoch her. Das liegt in der Natur der Sache. Am Kulminationspunkt ballen sich nun einmal Spannung und Emotionen, Befürchtungen und Hoffnungen. Und auch am Samstag hat die Bundesliga verlässlich geliefert: Hier werden Tore sonder Zahl geschossen, jetzt waren es 3,66 pro Partie, was noch einmal deutlich überm Saisonschnitt liegt.

Die Bundesliga ist ein Torgarant. Die meisten Chancen werden hier auch erarbeitet: Im Durchschnitt 11,9 Mal gab es in der Bundesliga pro Spiel Torchancen für die beiden Klubs zu sehen: Platz eins in Europa. Dahinter kommen die Schweizer, Niederländer, Österreicher und Belgier. Dann erst die Großen: England und Spanien. Dort werden auch, über einen längeren Zeitraum betrachtet, weniger Tore pro Partie als in der Bundesliga erzielt.

Eine Untersuchung, die von 1963/64 bis ins Jahr 2017 reicht, hat gezeigt, dass hierzulande 3,06 Treffer pro Begegnung gezählt werden, während es in England 2,68 sind, in Spanien 2,59 und in Italien gar nur 2,39. In den 70er und 80er Jahren wurden auf dem Stiefel sogar noch deutlich weniger Tore geschossen, während es in der Bundesliga bis Ende der 80er Jahre bisweilen regelrechte Torexzesse gab.

Tradition des Offensivfußballs

Halten wir also fest: Es gibt zwischen München und Dortmund, zwischen Frankfurt und Köln eine Tradition des Offensivfußballs, einen Hang zum Spektakel, der zu selten gewürdigt wird. Woran mag das liegen? Nun, im Fußball geht es mehr denn je um Effektivität und taktische Raffinesse.

So kann es englischen oder spanischen Topklubs schnuppe sein, wie oft sie einnetzen, sie müssen nur ein Tor besser sein. Entscheidender ist heute das Chancen-Tor-Verhältnis. Wie kaltschnäuzig sind meine Angreifer vorm Tor? Wie dominant oder punktuell gefährlich kann ich bei maximaler Kontrolle des Gegners sein? Die Bundesliga bietet also traditionell viele Tore und Chancen, nicht selten mehr als in jeder anderen Fußballliga Europas, aber das sagt noch nichts über die Konkurrenzfähigkeit aus.

In der Fünfjahreswertung des Kontinentalverbandes Uefa liegt die Bundesliga nur auf Rang vier: hinter England, Spanien und Italien. Ergo ist Fußball ein gnadenloser Ergebnissport, weswegen heutige Experten nicht selten sagen: Für Freunde des taktischen Spiels war die Partie zum Zungeschnalzen – auch wenn keine Treffer gefallen sind.

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