Kongos Präsident wiedergewählt: Denis Sassou-Nguesso hat noch lange nicht fertig
Seit 1979, mit kurzer Unterbrechung, herrscht Denis Sassou-Nguesso in Brazzaville. Nun wurde er mit offiziell 95 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.
Dass Denis Sassou-Nguesso die Wahlen in Kongo-Brazzaville (Republik Kongo) am vergangenen Sonntag gewinnen würde, stand außer Frage. Eine Stichwahl, theoretisch vorgesehen, war gar nicht erst angesetzt. „Ich werde gewinnen“, sagte der Staatschef zum Auftakt seines Wahlkampfes. Am Dienstagabend bestätigte die Wahlkommission in Brazzaville den Sieg des 83-Jährigen mit 94,82 Prozent der Stimmen, so viele wie noch nie seit Einführung des Mehrparteiensystems.
Seit 1979, mit einer kurzen Unterbrechung, ist Sassou-Nguesso an der Macht in seinem Staat am Kongo-Fluss, der zuweilen mit der wesentlich größeren Demokratischen Republik Kongo am anderen Flussufer verwechselt wird. Frankreich und Belgien teilten damals das tropische Kongo-Waldbecken unter sich auf.
Die Kolonialsiedlung Brazzaville, Hauptstadt des riesigen bis zur Grenze Libyens reichenden Französisch-Äquatorialafrika, wurde nach der Unabhängigkeit 1960 Hauptstadt der südlichsten Regenwaldprovinz Kongo, wo kaum jemand lebte. Noch heute sind es nur sechs Millionen Menschen, mehrheitlich in Brazzaville oder der Ölhafenmetropole Pointe-Noire ansässig, die Wirtschaft hängt am Tropf des Öls, das Land ist Urwald oder liegt brach, die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut.
Denis Sassou-Nguesso ist einer der letzten kolonial geschulten Präsidenten in Afrika. Seine Militärausbildung absolvierte der 1943 Geborene noch in Frankreichs Kolonialarmee in Algerien, als junger Soldat kehrte er in die Heimat zurück und beteiligte sich dort an allen Militärputschen ab 1968, bis er 1979 ganz oben landete. Sein Land hieß jetzt „Volksrepublik Kongo“ und es regierte die marxistisch-leninistische Einheitspartei PCT (Kongolesische Arbeiterpartei), die nach außen Loyalität zur Sowjetunion und nach innen „wissenschaftlichen Sozialismus“ predigte.
Gelebter Irrsinn
Aber in Wahrheit war das neokoloniale Ausbeutungssystem intakt. Frankreichs staatlicher Ölkonzern Elf hielt Kongos Wirtschaft am Laufen, an der Treue des Militärdiktators zu Paris bestand nie ein Zweifel. Die „Volksrepublik Kongo“ war gelebter Irrsinn und brachte in Brazzaville eine blühende satirische Literatur in tropisch gewürztem Französisch hervor, zu Unrecht in Vergessenheit geraten.
Der heute bekannteste kongolesische Schriftsteller Alain Mabanckou sagte vor zehn Jahren aus seinem französischen Exil über sein Heimatland: „Ich bleibe hier, solange dort Barbaren und Folterer regieren.“ Denn der Realsozialismus ist zwar längst vorbei, Sassou-Nguessos Herrschaft aber nicht.
Er musste zwar Anfang der 1990er-Jahre die „Volksrepublik“ abschaffen und verlor 1992 die ersten freien Wahlen mit 17 Prozent. Aber nur fünf Jahre später kämpfte er sich als Warlord zurück. Als er den von ihm selbst angezettelten Bürgerkrieg brutal gewonnen hatte, läutete der Kriegsherr eine zweite Demokratisierung ein, diesmal ohne Risiko. Mit 89,4 Prozent der Stimmen wurde er 2002 als ziviler Präsident gewählt.
Dabei ist es seitdem geblieben. Und dieses Jahr habe Sassou erstmals sein Ergebnis von 2002 übertroffen – sagt jedenfalls die Wahlkommission. Sie gibt auch die Wahlbeteiligung mit imposanten 84,65 Prozent an. Die Wahlbeteiligten müssen systematisch alle Wahllokale gemieden haben, wo Journalisten zugegen waren, denn die stellten am Sonntag größtenteils gähnende Leere fest. Vorsichtshalber hatten die Behörden Internet und Telefon abgeschaltet, damit das Volk sich auf das Wählengehen konzentrieren konnte.
„Diese Ergebnisse beweisen, dass das Volk ihn liebt“, erklärte die Jugendliga der PCT, die immer noch mit roten Fahnen auftritt. Der Sieger bleibt großherzig. „Wir werden nicht ewig an der Macht bleiben“, versprach Denis Sassou-Nguesso vor der Wahl in einem Interview. Er spricht von sich immer im Pluralis Majestatis.
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