Konflikt zwischen Iran und Fußballer: Ein Fläggchen, das verärgert

Der Ex-HSV-Spieler Mahdavikia trug ein Trikot mit über 200 Länderflaggen – darunter auch die von Israel. Im Iran könnte ihm das den Job kosten.

Portrait von Mehdi Mahdavikia im Sportdress

Mehdi Mahdavikia hat ein Trikot mit der Flagge Israels getragen, dafür wird er im Iran kritisiert Foto: Cathrin Müller/imago

BERLIN taz | Klitzeklein war das israelische Fähnchen nur, das der einstige iranische Fußballheld Mehdi Mahdavikia auf seinem Trikot trug. Schließlich mussten noch 210 weitere Mitglieder des Weltfußballverbands Platz finden auf dem Hemd, das sich der 44-Jährige für ein Spaßspiel der Fifa beim Arab Cup in Katar vor Weihnachten überzog. „Heute Nacht vereinen wir die arabische Welt mit der ganzen Welt“, hatte Fifa-Boss Gianni Infantino vor dem Anpfiff den betagten Fußballlegenden, zu denen auch Lothar Matthäus zählte, salbungsvoll verkündet und viel Vergnügen dabei gewünscht.

Dass das Weltverbessern auch für den Fußball keine so profane Angelegenheit ist, zeigt diese Geschichte. Weil das Tragen des kaum zu erkennenden nationalen Symbols mit dem Davidstern in den Augen iranischer Machthaber einer Anerkennung des Staates Israels gleichkommt, was der Regierung ein Dorn im Auge ist, hat Mahdavikia nun ein großes Problem.

Die iranische Nachrichtenagentur Ilna spekulierte am Montag, dieser Seniorenkick könne Mahdavikia sein Amt als iranischer Nachwuchsnationaltrainer kosten. Im September wurde ihm erst die Aufgabe übertragen, ein Team zusammenzustellen, das den Iran nach fast 50 Jahren Erfolglosigkeit wieder bei einem olympischen Turnier vertreten kann.

Im Iran traut man Mahdavikia allerhand zu. Sein Treffer bei der Fußball-WM 1998 beim prestigeträchtigen Sieg gegen die USA (2:1) bescherte ihm nicht nur eine Verkürzung des Militärdienstes, sondern auch Legendenstatus. Große Verehrung genießt er ebenso bei den Fans des Hamburger SV. Gerne erinnert man sich an die über 200 Spiele des schnellen Außenspielers, zumal sie allesamt in der ersten Liga zu bewundern waren. Vor seinem Enga­gement als Nationaltrainer im Iran trainierte er den HSV-Nachwuchs, betrieb allerdings nebenbei bereits eine Nachwuchsakademie im Iran.

Schon 2009 auf der Seite der Opposition

Zur israelischen Fahne auf seinem Trikot hat er sich bislang nicht geäußert. Im Sommer 2017 allerdings hat er mit großem Unverständnis auf den Ausschluss von zwei Fußballern aus der iranischen Nationalmannschaft reagiert, weil diese mit ihrem griechischen Club Panionios Athen in der Europa League gegen Maccabi Tel Aviv gespielt hatten. „Hoffentlich kommt mal der Tag, an dem die Politik den Sport in Ruhe lässt“, schrieb er damals via Instagram.

Und Mehdi Mahdavikia gehörte 2009 auch zu den sechs iranischen Nationalspielern, die bei einem WM-Qualifikationsspiel gegen Südkorea mit grünen Bändern aufgelaufen waren, um nach einer verlorengegangenen Wahl den damaligen iranischen Oppositionsführer Hossein Mussawi zu unterstützen. Im Unterschied zum Machthaber, Hardliner und Holocaustleugner Mahmud Ahmadinedschad schlug dieser versöhnlichere Töne an.

Die politischen und sportlichen Eliten im Iran könnten im aktuellen Fall die Entlassung des beliebten Mahdavikia umgehen, indem sie auf den inoffiziellen Charakter des Spiels verweisen. Andernfalls wäre Fifa-Chef Gianni Infantino gefragt, mehr zu tun, als nur salbungsvoll zu reden.

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