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Kommunalwahlkampf in NiedersachsenKleinkunst, Käse, Cancel-Culture

In Garbsen gibt es einen Skandal, weil ein Comedian von der städtischen „Kultour“ ausgeladen wurde. Er hatte zuvor den Bürgermeister verspottet.

D er Kommunalwahlkampf in Niedersachsen tritt in die heiße Phase ein und in Garbsen (das ist da, wo die Hannover Stadtbahnlinie mit der Nummer 4 endet) treibt er gerade ein paar besonders unterhaltsame Blüten.

Die Vorgeschichte beginnt schon im Jahr 2021. Damals kandidierte hier Claudio Provenzano (SPD) zum ersten Mal als Bürgermeister, und zwar mit Erfolg. In der Stichwahl gelang es ihm, seinen Mitbewerber von der CDU auszustechen und damit den Posten für die SPD zurückzuerobern.

Seine Kampagne war, nun ja, auf sehr sozialdemokratische Art und Weise ambitioniert. Der ehemalige leitende Angestellte bei VW Nutzfahrzeuge präsentierte sich meist im dunkelblauen Anzug und weißem Hemd – manchmal ohne Krawatte, mit hochgekrempelten Ärmeln oder dem Jackett über der Schulter.

Die gesamte Ästhetik erinnerte vage an Obama, bevor er grau wurde – nur eben in der Garbsener Variante. Wenn ich mich recht erinnere, gab es sogar ein Pop-Art-Motiv – auch das war zuletzt im Obama-Wahlkampf 2008 aufregend und cool.

Wahlkampagnen sind halt eh ein sehr undankbares Genre, vor allem in der Provinz. Sie wirken entweder bieder und langweilig oder überkandidelt und dazwischen gibt es nicht viel

Zentraler Slogan war „Machen wird mehr möglich machen“. Der aktuelle lautet „Machen. Machen. Weitermachen.“ Nun sind solche Wahlkampagnen halt eh ein sehr undankbares Genre, vor allem in der Provinz. Sie wirken entweder bieder und langweilig oder überkandidelt und dazwischen gibt es nicht viel.

Auftritt: Dittmar Bachmann. Der Comedian war früher mal mit Oliver Pocher unterwegs, hat jetzt aber eher in Garbsen, Wunstorf und Hambühren seine Fanbase.

Nicht komisch, weil die Fallhöhe fehlt

In einem Video, das Bachmann über seine Social-Media-Kanäle streut, macht er sich über Wahlwerbespots von Provenzano lustig – im Stil der legendären Sendung „Kalkofes Mattscheibe“, nur nicht ganz so brillant. Er lästert dabei vor allem über die aufgesetzt und pathetisch wirkende Körpersprache Provenzanos in dem Spot, verballhornt seinen Namen zu Parmesano und zieht über die unbeholfenen Testimonials seiner Unterstützern her – inklusive Mafia-Anspielung beziehungsweise Der-Pate-Persiflage. Nun ja.

Das ist alles schon deshalb nicht so brüllend komisch, weil halt leider die Fallhöhe fehlt. Das Werbevideo an sich ist schon so unfreiwillig komisch und cringe, dass man eigentlich nicht unbedingt jemanden braucht, der komische Perücken überzieht und einem aufgeregt in die Kamera krähend erklärt, warum das so ist. Aber gut, letztlich Geschmackssache.

Ursprünglich war Bachmann – trotz des Videos – für mehrere Auftritte bei der städtischen „Kultour“ angefragt worden. Einem Format, bei dem mehrere Künstler in verschiedenen Ortsteilen spielen und das Publikum von Bühne zu Bühne tourt.

Doch kurz bevor der Vertrag fertig ist, wird Bachmann mit ein paar sehr fadenscheinigen Ausreden wieder ausgeladen. Der vermutete schon damals den Bürgermeister dahinter und tut das in einem offenen Brief in der Lokalpresse auch kund.

Und Bachmann erwies sich als einigermaßen nachtragend. Im November 2025 kündigte er plötzlich an, nun selbst als Bürgermeister kandidieren zu wollen – unter anderem mit einem Musikvideo, in dem er aus Rio Reisers „König von Deutschland“, den „König von Garbsen“ macht.

Sieben Monate später zieht er seine Kandidatur allerdings schon wieder zurück. Die originelle Begründung: Er hätte unterschätzt, wie viel Geld und Manpower für so einen Wahlkampf nötig sind. Immer noch besser, als wenn er erst im Rathaus gemerkt hätte, wie viel Arbeit die Führung einer 600-köpfigen Verwaltung macht.

Stadt log bei der Ausladung tatsächlich

Aus genau dieser Verwaltung werden dem Comedian nun aber – mit vier Jahren Verspätung, pünktlich zur heißen Wahlkampfphase – Dokumente zugespielt, die belegen, dass die Stadt bei der Ausladung tatsächlich gelogen hat – und zwar nicht nur Bachmann, sondern auch der Öffentlichkeit gegenüber.

Allerdings fehlt weiter ein Beleg dafür, dass der Bürgermeister selbst dies angewiesen hat. Die CDU, der das hervorragend in den Kram passt, springt sofort auf diesen Zug auf und beantragt eine Sondersitzung des Rates. Die lief bei Redaktionsschluss noch. Aber man muss kein Prophet sein, um festzustellen, dass der verhinderte Kandidat Bachmann zumindest ein Wahlversprechen locker gehalten hat: „Mit mir würde nicht alles besser, aber auf jeden Fall unterhaltsamer“, sagte er dem lokalen Anzeigenblatt.

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Nadine Conti

Nadine Conti

Niedersachsen-Korrespondentin der taz in Hannover seit 2020, davor Lokaljournalistin in Minden und Hildesheim. Hat Germanistik, Politik und Geschichte in Hannover und Bologna studiert. Und als Zeitarbeiterin in 16 verschiedenen Branchen gejobbt. Erreichbar unter conti@taz.de.
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1 Kommentar

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  • Janix

    Liest sich nach wirklich schlechtem Witzemacher. Unterhaltsamer wage ich zu bezweifeln.



    Und muss alles ein "Skandal" sein? Garbsen!?!