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Kommentar zum BER Peinlicher gehts nicht

Sebastian Erb

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Sebastian Erb

Die Korruptionsvorwürfe gegen den Technikchef weisen auch auf ein altes Problem am BER hin: das häufig angewandte Hire-and-Fire-Prinzip.

E ine größere Peinlichkeit ist kaum vorstellbar. Da holt Flughafenchef Hartmut Mehdorn einen Feuerwehrmann für das größte Sorgenkind an der Dauerbaustelle, die Brandschutzanlage. Und kaum ist der neue Technikchef im Amt, muss er schon wieder gehen. Und zwar aus einem gravierenden Grund: Er soll bestechlich gewesen sein. Ein Korruptionsskandal hat dem Großpannenflughafen gerade noch gefehlt.

Die Diskussion über die Entrauchungsanlage erscheint da in ganz neuem Licht. Hatte der Technikchef fachliche Argumente für die von ihm favorisierte komplette Neuplanung, oder dachte er nur an den eigenen Nutzen? Das zu überprüfen ist schwer, denn die Unterlagen des zuvor entlassenen Planers wurden vernichtet.

Mangelhafte Dokumentation ist generell ein Riesenproblem am BER. Viele Verantwortliche mussten – aus welchem Grund auch immer – gehen und nahmen wichtiges Wissen mit. Die Nachfolger fingen deswegen bei null an und gruben sich wie Archäologen durch die Baustelle, um herauszufinden, was überhaupt schon gebaut wurde. Dies kostet viel Zeit und Geld. Dass auf diese Weise ein Milliardenprojekt umgesetzt werden soll, ist unglaublich.

Klaus Wowereit, der als Aufsichtsratschef Verantwortung tragen müsste, zeigt einmal mehr, dass er dem Flughafenbau nicht mehr gewachsen ist. Wenn er sich nun hoffnungsvoll äußert, dass der Korruptionsfall die Eröffnung des Flughafens nicht weiter verzögert, kann man nur ungläubig den Kopf schütteln. Denn dass der BER in absehbarer Zeit in Betrieb geht – das erscheint nun noch unwahrscheinlicher als zuvor.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Sebastian Erb

Sebastian Erb Reporter

Von 2011 bis April 2023 bei der taz. Zuletzt Reporter im Ressort Reportage & Recherche mit Schwerpunkt auf investigativen Recherchen. Er hat Sozialwissenschaften studiert und die Deutsche Journalistenschule in München absolviert. Themen u.a. Rechtsextremismus in Bundeswehr und Polizei (#Hannibal), Geheimdienste und Missstände in NGOs. Er gibt Seminare zur (Online-)Recherche. Sicher zu erreichen per Threema: 7D8P2XSV
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2 Kommentare

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  • ioannis

    "Eine größere Peinlichkeit ist kaum vorstellbar."

    Nö, denn: Das ist bei dieser ganzen Katastrophe nun wirklich auch noch egal... aber die Steuergeldverschwender (zur Erinnerung: Das zahl' ich nicht, weil's mich so freut wie der Wowi das in den Ofen wirft, das wird mir zwangsweise abgenommen...) sollen endlich einmal ernsthafte Konsequenzen für diesen Riesenbetrug an der Bevölkerung zu befürchten haben!

  • Rainer B.

    "Ein Korruptionsskandal hat dem Großpannenflughafen gerade noch gefehlt."

    Nee, Leute! Der Großpannenflughafen ist ohne Korruption gar nicht begreifbar.