piwik no script img

Kommentar über die Lenzenwahl Plopp, der Präsident ist da

Kaija Kutter

Kommentar von

Kaija Kutter

Man kann über Lenzen streiten. Man kann streiten - die Mitglieder der Hamburger Uni durften aber nicht.

D as ist harter Tobak. Plopp, von einem Tag auf den anderen hat die Hamburger Uni ein neues Oberhaupt. Fast 40.000 Studierende und mehrere tausend Wissenschaftler haben einen neuen Chef, an dem sie sich sechs Jahre lang abarbeiten müssen.

Man kann über Lenzen streiten. Sein Verdienst ist, dass er die Berliner FU im Exzellenzwettbewerb nach vorn brachte. Er gilt als autoritär, wirtschaftsnah und wortgewandt, aber auch als Gegner von Studiengebühren.

Man kann streiten - die Mitglieder der Hamburger Uni durften aber nicht. Und das ist der Punkt. Nur damit es den Kandidaten so angenehm wie möglich gemacht wird, wird die Suche bis zur letzten Sekunde geheim gehalten. Damit kein Abgelehnter Schaden nimmt. So aber nimmt die Uni Schaden. Lenzens Vorgängerin hatte ein Klima der Angst geschaffen. Die Art, wie die Wahl durchgeführt wurde, knüpft daran an.

Dass es auch anders geht, zeigt zum Beispiel Berlin. Das dortige Hochschulgesetz lässt eine viel offenere Wahl von Uni-Leitungen zu. Dort werden Kandidatennamen sogar öffentlich diskutiert, ein Verfahren, das ja offenbar vor sechs Jahren auch einen Dieter Lenzen nicht abschreckte. Er war übrigens über 20 Jahre Professor an seiner Uni, bevor er dort Rektor wurde. Auch an der Hamburger Uni schlummern Talente. Nur so geheim, wie hier gesucht wurde, wird das keiner erfahren.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Kaija Kutter

Kaija Kutter Redakteurin taz-Hamburg

Jahrgang 1964, seit 1992 Redakteurin der taz am Standort Hamburg für Bildung und Soziales. Schwerpunkte Schulpolitik, Jugendhilfe, Familienpolitik und Alltagsthemen.
Mehr zum Thema

0 Kommentare