Kommentar über das Ende einer grünen Ära: Grüne wählen eigene Regierung ab
Bremens Bürgermeisterin Karoline Linnert verliert die Urwahl um die Spitzenkandiatur. Konsequenterweise muss die Partei jetzt auf ein Jamaika-Bündnis setzen.
Mit ihrer Urwahl haben die Bremer Grünen den größtmöglichen Schaden an der eigenen Partei angerichtet.
Zwar können sie sich jetzt am Feuer einer basisdemokratischen Entscheidung wärmen, an der sich fast zwei Drittel aller Mitglieder beteiligten. Und sie können sich für eine gewisse Verjüngung rühmen – kurz nachdem sie Hermann Kuhn (73) zum Parteichef gemacht haben. Dafür jedoch haben sie ihren Landesvorstand abgewatscht, ihrer eigenen Regierung das Misstrauen ausgesprochen und nachhaltig den Eindruck einer gespaltenen Partei vermittelt. Vor allem aber hätten sie ihrer langjährigen Spitzenfrau, Bürgermeisterin und – das bestreitet ja niemand – erfolgreichen Haushaltssaniererin Karoline Linnert kein unwürdigeres Ende bereiten können. Das ist Demokratie, könnte man schulterzuckend sagen. Hier erscheint sie in ihrer unbarmherzigsten Form.
Man kann Karoline Linnert vorwerfen, dass sie ihre Partei erpresst hat, als sie sagte: Ich trete nur als Spitzenkandidatin an – oder gar nicht. Dann hätte sie sich nun halt verzockt. Aber die Regeln, nach denen der politische Betrieb funktioniert, sehen nicht vor, dass sich eine stellvertretende Ministerpräsidentin bei der Wahl hintenan stellen muss. Wo gab es das schon?
Karoline Linnert wird nicht mehr zur Wahl antreten. Die Idee ihres Landesvorstandes, erstmals mit drei Frauen an der Spitze zur Wahl anzutreten, ist damit auch hinfällig. Es ist wieder mehr Platz für Männer.
Und Platz für neue Mehrheiten! Konsequent zu Ende gedacht, müssen die Grünen auch die SPD in die Wüste schicken, wenn sie das mit der wichtigsten Protagonistin ihrer rot-grünen Regierung tun. Mit Linnert wäre ein Jamaika-Bündnis nicht denkbar. Mit Maike Schaefer schon.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert