Kommentar Ziele der G20: Bloß keine Konflikte scheuen

Die großen Ziele können nur scheitern. Bei den restlichen darf es keine Einigung um jeden Preis geben. Niemand braucht kleinste gemeinsame Nenner.

Menschen tragen Masken der Staatsoberhäupter der G20-Teilnehmer

„Weniger Armut“ oder „Ungleichheit befördern“? Kunstaktion von Oxfam Foto: ap

Viel hat sich die Bundesregierung vorgenommen für diesen G20-Gipfel, der am Freitag in Hamburg beginnt. Ein Zeichen für die Mitspracherechte der Zivilgesellschaft soll er senden, Werbung für fairen Welthandel und nachhaltiges Wachstum machen, Entwicklung in Afrika stärken, die Bändigung der Finanzmärkte weiter voranbringen und das Klimaabkommen von Paris gegen Donald Trump verteidigen.

Vieles davon, das ist jetzt schon absehbar, wird nicht gelingen. Statt des versprochenen „Festivals der Demokratie“ gibt es in Hamburg großflächige Demonstrationsverbote, Schikanen gegen campende AktivistInnen und ein martialisches Auftreten der Polizei zu bewundern.

Wie wenig sich beim Welthandel geändert hat, zeigt sich beim geplanten Freihandelsabkommen der EU mit Japan, das viele Fehler der Vergangenheit wiederholt. Auch die Afrika-Pläne der G20 stoßen bei vielen ExpertInnen auf Kritik, weil sie vor allem auf private Investitionen in große Infrastrukturprojekte setzen, die weniger der örtlichen Bevölkerung als großen Konzernen nutzen. Und auch beim ursprünglichen G20-Kernthema, der Bändigung der Finanzmärkte, geht es derzeit leider weniger um große Fortschritte als darum, das mühsam Erreichte zu sichern.

Beim Klimaschutz hingegen steht wirklich etwas auf dem Spiel: Das Abkommen von Paris gegen US-Präsident Donald Trump zu verteidigen, ist eine extrem wichtige Aufgabe. Dabei ist – ebenso wie bei den meisten anderen erwähnten Themen – naturgemäß eine internationale Kooperation Voraussetzung für Erfolg. Die Beratungen im Rahmen der G20 können darum sehr hilfreich sein. Aber: Es darf keine Einigung um jeden Preis angestrebt werden, sondern die progressiveren Staaten müssen bereit sein, mit den Bremsern in harte Konflikte zu gehen – und den Dissens im Zweifel in der Abschlusserklärung aufzuzeigen.

Beim Klima etwa wäre es fatal, mit Rücksicht auf Donald Trump eine ­abgeschwächte Erklärung zu ­verabschieden, die irgendwelche Zweifel am Paris-Abkommen aufkommen lässt. Um zu zeigen, dass sie es ernst meinen, wäre vielmehr notwendig, dass die „G19“ nicht nur das Paris-Ziel bekräftigen, sondern konkrete Maßnahmen ankündigen, um es auch zu erreichen.

Klarheit ist hier wichtiger als Einigkeit. Einen G20-Gipfel, der sich in allen Fragen am kleinsten gemeinsamen Nenner orientiert, braucht niemand. Im Gegenteil – er würde einen großen Rückschritt bedeuten.

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Jahrgang 1971, ist Korrespondent für Wirtschaft und Umwelt im Parlamentsbüro der taz. Er hat in Göttingen und Berkeley Biologie, Politik und Englisch studiert, sich dabei umweltpolitisch und globalisierungskritisch engagiert und später bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen in Kassel volontiert.   Für seine Aufdeckung der Rechenfehler von Lungenarzt Dr. Dieter Köhler wurde er 2019 vom Medium Magazin als Journalist des Jahres in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet. Zudem erhielt er 2019 den Umwelt-Medienpreis der DUH in der Kategorie Print. Derzeit beschäftigt er sich neben seinen sonstigen Themen intensiv mit der Entwicklung der Corona-Epidemie, auch auf seinem Twitter-Account @MKreutzfeldt .

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