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Kommentar Wirkung von FernreisenEntwicklungshilfe und Klimakiller

Edith Kresta

Kommentar von

Edith Kresta

Wegen der Klimaschäden von Fernreisen nur noch Urlaub im eigenen Land zu machen, wäre übertrieben. Doch fremde Länder abzuhaken wie prestigeträchtige Schnäppchen, ist auch nicht richtig.

Das Flugzeug gilt schon lange als Umweltkiller Nummer eins. Gepaart mit dem Luxus eines Fünf-Sterne-Resorts, etwa mit aufwändigen Golfplätzen in der Wüste, wird die Fernreise damit zur Klimasünde schlechthin. Sollte man deshalb, der Umwelt zuliebe, den Urlaub künftig besser nur noch im eigenen Land oder, besser noch, auf dem eigenen Balkon verbringen?

Das wäre fatal und weltfremd. Denn Reisen erweitert den Blickwinkel. Außerdem ist der Fernreisetourismus für die wirtschaftliche Entwicklung vieler Dritte-Welt-Länder unverzichtbar. Wie kann, angesichts dieser Widersprüche, eine Quadratur des Kreises aussehen?

Es muss darum gehen, einen möglichst nachhaltigen Tourismus zu fördern. Als dessen Leitlinie gibt die Welttourismusorganisation (UNWTO) vor, er solle das Klima erhalten und die Armut bekämpfen helfen.

Die WTO hält den Tourismus sogar für das beste Mittel zur Armutsbekämpfung. Das mag verschleiern, wie kompliziert Entwicklung ist - vor allem, wenn man den internationalen Tourismus mit seinen hohen Standards betrachtet. Tatsächlich aber sind viele Länder der Dritten Welt immer mehr auf Touristen angewiesen. Deshalb wäre es falsch, die Ostsee gegen die Karibik auszuspielen. Denn beide brauchen einen Tourismus, der die natürlichen Ressourcen schont und von dem eine breite Bevölkerung profitiert.

Nicht die Lust des Touristen auf eine Fernreise ist verwerflich. Verwerflich ist, dass Fernreisen heute als Ramschware angeboten werden. Dass zwei Wochen all inclusive in der Dominikanischen Republik billiger sind als zwei Wochen an der Ostsee, ist ein Skandal. Doch im weltweiten Verdrängungswettbewerb der Reiseanbieter hat er System.

Längst gehört das Flugbenzin besteuert. Denn es sind vor allem die Billigflieger, die aus einer verfehlten Verkehrspolitik ihren Nutzen ziehen. Wer eine Fernreise plant und dafür einen hohen CO2-Ausstoß in Kauf nimmt, sollte sich allerdings gut überlegen, wie lange er dort bleibt und was er dort will. Denn fremde Länder abzuhaken wie prestigeträchtige Schnäppchen - das ist in Zeiten des Klimawandels tatsächlich eine Umweltschweinerei.

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Edith Kresta
Autorin
Schwerpunkte: Reise und Interkulturelles. Alttazzlerin mit Gang durch die Institutionen als Nachrichtenredakteurin, Korrespondentin und Seitenverantwortliche. Politologin und Germanistin mit immer noch großer Lust am Reisen.
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1 Kommentar

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  • A
    anke

    Alles richtig. Und Fernreisen sind auch nicht die einzig möglichen Schnäppchen. Ist in deutschen Baumärkten nicht auch jede Sitzgruppe aus asiatischem Bambus um einiges preiswerter, als die aus heimischem Kirschbaumholz - trotz ihres Anreiseweges? Und ist nicht auch die Möbelproduktion ein lokaler Faktor der Wirtschaftsentwicklung?

     

    Theoretisch wissen wir alle, dass mehr Fairness wichtig wäre für uns. In der Praxis geben wir uns trotzdem zufrieden mit den Auftritten von Bratwurst-Bands. Die Übersicht ist eben nicht all zu gut in einer Welt voller Optionen. Aber na ja: Morgen ist auch noch ein Tag. Eine entwickelte Dritte Welt wird hoffentlich unsere Fairnes nachdrücklich einfordern. Irgendwann...