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Kommentar Umweltpolitik Altmaiers Ansprüche

Heike Holdinghausen

Kommentar von

Heike Holdinghausen

Der Minister meint, allein mit Änderungen im Bewusstsein der Bürger sei der Umwelt gedient. Das greift zu kurz. Altmaier kann nur mit Taten glänzen.

Heike Holdinghausen

ist Redakteurin im Ressort Ökologie und Wirtschaft der taz.

R egelmäßig ermittelt das Umweltministerium, was die Deutschen über die Umwelt denken. Regelmäßig stößt es dabei auf Widersprüchliches. Beim letzten Mal ergab die Umfrage, dass die Deutschen zwar Ökostrom, aber keine Windräder wollen. Diesmal, dass die Bürger Umweltpolitik zwar für sehr wichtig halten, ihnen aber umweltbewusstes Verhalten „im Alltag offenbar nicht immer leicht“ fällt.

Ach was. Umweltbewusstes Verhalten fällt im Alltag nicht nur manchmal schwer, sondern ist ab und zu geradewegs dumm. Zum Beispiel ist es häufig günstiger, mit einem Billigflieger zu reisen als mit der Bahn. Ein Haus energetisch zu sanieren rechnet sich in vielen Fällen erst für die Enkel der Besitzer. In anderen Bereichen ist umweltbewusstes Verhalten völlig unmöglich. Ein ökologisches Mobiltelefon ist derzeit nicht im Angebot.

Wenn Umweltminister Peter Altmaier also meint, mit dem richtigen Bewusstsein ließe sich mehr erreichen als mit gesetzlichen Regelungen, dann irrt er. Natürlich lässt sich immer an die Verbraucher appellieren, entweder mit Verzichtsdiskursen („Ihr braucht gar nicht alle 18 Monate ein neues Smartphone“) oder mit dem Versuch, ökologisches Verhalten zu popularisieren („ein 3-Liter-Auto ist so cool“). Problem: Die Breitenwirkung, die angesichts unserer Ressourcen- und Klimakrise nötig wäre, erreicht man mit keinem von beiden.

Der angebliche Widerspruch ist denn auch vielmehr ein Arbeitsauftrag an den Umweltminister. Er kann umweltschädliche Subventionen abbauen, mit seiner Kollegin im Agrarressort einen Streit über die europäische Agrarpolitik anzetteln, die Energiewende befeuern, statt sie zu bremsen. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen vor allem eins: Die Ansprüche der Bürger an Altmaiers Politik sind größer als seine eigenen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Heike Holdinghausen

Heike Holdinghausen Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

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1 Kommentar

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  • O
    oeseeg

    Sehr gut auf den Punkt gebracht!

     

    Die Lösung des offensichtlichen Widerspruches zwischen dem bekundeten Umweltbewusstsein und tatsächlichem Umweltverhalten muss durch angemessene politische Rahmenvorgaben und eine gerechte Preis- bzw. Steuerpolitik flankiert werden.