Kommentar Sicherheitspolitik Israel

Netanjahu feilt an seinem Image

Viele Israelis finden die Politik Netanjahus in Gaza unentschlossen. Der Premier sieht die Gefahr eher beim Erzfeind Iran.

Netanjahu steht vor einer Israelfahne und redet in ein Mikro

Netanjahu widmet seine Aufmerksamkeit dem Iran. Der ist gefährlicher als palästinensische Islamisten Foto: dpa

Die Zeit vor Parlamentswahlen ist für Provokationen gegen Israel nicht empfehlenswert. Benjamin Netanjahu bleiben noch gut drei Monate, um sein Image des „Mr. Security“ aufzupolieren, das durch seine Kompromissbereitschaft gegenüber der Hamas einige Kratzer abbekommen hat. Viele Israelis empfinden seine Politik gegenüber der islamistischen Führung im Gazastreifen als zu unentschlossen und halbherzig, denn die latente Gefahr palästinensischer Raketenangriffe bleibt.

Netanjahu hingegen sieht die wahre Gefahr für Israel im Norden, bei den Revolutionsgarden, die sich in Syrien dauerhaft niederlassen wollen, und bei der Hisbollah, Irans Handlangern im Libanon. Solange Netanjahu Regierungschef und Chef im Verteidigungsministerium ist, wird er keine Gelegenheit ungenutzt lassen, um die Luftwaffe iranische Stützpunkte in Syrien zerstören zu lassen.

Dass Netanjahu seine Aufmerksamkeit dem Erzfeind Iran widmet, macht Sinn. Er ist unweit gefährlicher als die palästinensischen Islamisten. Die Belagerung des Gazastreifens stoppte die Waffenlieferungen aus dem Iran. Die militärische Schlagkraft der Hamas bleibt seither überschaubar. Die Islamisten bedrohen Israel mit Raketen, die sie in ihren Heimwerkstätten selbst zusammenbauen und die ausreichen, um die israelischen Nachbarn jenseits der Sperranlagen zu terrorisieren.

Demgegenüber stockte die Hisbollah seit dem letzten Krieg vor 13 Jahren ihre Rüstungslager auf. Der Einsatz von UN-Truppen, darunter auch deutsche Marinesoldaten, die beauftragt wurden, den Waffenschmuggel in den Libanon aufzuhalten, entpuppte sich als einzige Farce. Mit über 100.000 modernsten Raketen hat die Hisbollah heute eine der stärksten Kampftruppen der Welt. Ein Krieg im Norden wäre eine Katastrophe und für Israel schlimmer als jeder bisherige.

Das Paradox ist, dass weder Libanon noch Syrien einen Krieg wollen. Die Kriegstreiber sitzen Tausende Kilometer weit weg in Teheran. Sie könnten von syrischem Boden wie vom Libanon aus jederzeit eine Eskalation provozieren, ohne selbst dabei mehr zu riskieren als den Tod der in Syrien stationierten Luftwaffenkommandanten. Gegen sie richtet Netanjahu seinen Kampf.

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Seit 1999 taz-Nahostkorrespondentin in Israel und Palästina, Jahrgang 1961

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