Kommentar Rot-Rot-Grün : In weiter Ferne, so nah
Neue Mehrheiten? Nein. In allen drei Parteien sind die Kräfte, die Rot-Rot-Grün möglich machen wollen, noch immer zu schwach.
Bild: reuters
W enn nichts Umstürzendes passiert, werden bei den Bundestagswahlen 2017 zwei Möglichkeiten zur Wahl stehen: Union und SPD und Union und Grüne. Die Frage wird lauten, wer mit der CDU-Kanzlerin regieren darf. Denn trotz zaghafter Lockerungen herrscht zwischen SPD und Grüne und Linkspartei Blockade. In allen drei Parteien sind die Kräfte, die Rot-Rot-Grün möglich machen wollen, zu schwach.
Die Linkspartei bräuchte dafür ein strategisches Zentrum, das die Sektierer aus der Partei treibt. Doch dazu fehlt es an allem. Die Parteiführung Katja Kipping und Bernd Riexinger geht bislang allen innerparteilichen Kontrovesen elegant aus dem Weg und scheint dies nicht ändern zu wollen. Gysi spielt im Zweifel den Integrator. Ohne innerparteiliche Verständigung, unter welchen Bedingungen die Linkspartei regieren will, geht nichts.
Der Glaube, dass man 2017 nach der Wahl im Hinterzimmer eine Koalition aus dem Boden stampft, ist Illusion. Schwarz-Grün konnte nach dem Motto „Immer dran denken, nie drüber reden“ gelingen. Bei Rot-Rot-Grün wird das nicht funktionieren - schon wegen des bedauerlicherweise erwartbaren Sturms medialer Erregung, den Linksparteiminister in Berlin auslösen würden.
Allerdings sind die Fundis in der Linkspartei nicht die einzige Hürde. Die schroffe, Ablehnung von Gysis Vorschlag durch Cem Özdemir und Fahimi zeigt, dass bei Grüne und SPD Antilinksparteireflexe noch immer automatisch einrasten. Das ist kurzsichtig. SPD und Grüne werden 2017 ein ähnliches Problem haben wie 2013: Ihnen wird die Machtperspektive fehlen, die sich brauchen, um ihre Klientel zu mobilisieren. Vor allem die SPD wird sich schwer tun, wenn es noch nicht mal die vage Chance gibt, den Kanzler zu stellen.
2017 wird die erste Bundestagswahl ohne Koalitionsaussage. Da ist es klug, flexibel in viele Richtungen zu sein. SPD und Grüne scheinen das nicht verstanden zu haben.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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