piwik no script img

Kommentar Pegida-Auftritt in PragDer Präsident als Brandstifter

Kommentar von

Alexandra Mostyn

In Tschechien hat Miloš Zeman schon längst die Rhetorik der Islamhasser übernommen. So macht er auch Pegida salonfähig.

S eit Jahren schon, das ist auch recht gut dokumentiert, gibt es einen regen Austausch und ein eng verknüpftes Netzwerk zwischen deutschen und tschechischen Neonazis. Jetzt, so scheint es, finden auch die „besorgten Bürger“ beider Länder zusammen: Pegida und der tschechische Block gegen den Islam hofieren einander seit Monaten und feierten sich am Samstag gegenseitig in Prag und Dresden.

Kein Wunder, dass es den Pegida-FührerInnen in Prag gefällt. Während Pegida und ihre Claqueure in den deutschen Korridoren der Macht auf mehr als einer Armlänge Abstand gehalten werden, stehen ihren tschechischen Brüdern im Geiste die Tore weit offen: Staatspräsident Miloš Zeman hat schon längst die Rhetorik der Islamhasser übernommen, wenn er in seinen Reden von aggressiven männlichen Muslimen fabuliert, die massenweise in Europa einfallen.

In Tschechien hat Zeman nicht nur den Block gegen den Islam, sondern auch Pegida salonfähig gemacht, als er sich im vergangenen November mit den tschechischen Islamhassern auf ein Podium stellte und sich von den deutschen im exklusiv geladenen Publikum beklatschen ließ.

Ja, die Flüchtlingskrise hat im homogenen Tschechien viele Ängste hervorgerufen. Flüchtlinge gibt es im Land zwar so gut wie keine. Die gesellschaftliche Diskussion aber beherrschen sie seit Monaten.

Und Präsident Zeman macht sich freudig zum Schutzheiligen derer, die diese oft absurden Ängste weiter schüren. Und zum geistigen Brandstifter: Anfang Februar wurde ein tscherkessischer Muslim, der seit 14 Jahren in Prag lebt, mit einem Messer niedergestochen. Die Pegida-Demo vom Samstag endete in einem Brandanschlag auf ein alternatives Zentrum für Flüchtlingshilfe.

Die Flüchtlingsdiskussion hat in Tschechien vor allem eines gezeigt: Der Präsident ist nicht daran interessiert, die Gesellschaft zu einen. Bleibt die Frage, in wessen Interesse er eigentlich handelt.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Alexandra Mostyn Auslandskorrespondentin Tschechische Republik

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Kommentar entfernt. Bitte halten Sie sich an die Netiquette.