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Kommentar Lebensmittelstreit in VenezuelaFalsche Agrarpolitik

Gerhard Dilger

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Gerhard Dilger

Eine Kommandowirtschaft und die ständige rhetorische Polarisierung durch Chávez werden kaum dazu beitragen, die Agrarproduktion in Venezuela dauerhaft zu beflügeln.

Gerhard Dilger ist taz-Korrespondent für Lateinamerika und lebt im brasilianischen Porto Alegre.

Mit seiner Weisung, sämtliche Reisfabriken Venezuelas militärisch besetzen zu lassen und widerspenstige Firmen notfalls zu enteignen, will Hugo Chávez Führungsstärke demonstrieren. Der Beifall der meisten VenezolanerInnen, die schon länger mit steigenden Lebensmittelpreisen zu kämpfen haben, ist dem Präsidenten gewiss. Doch von der sogenannten Ernährungssouveränität, also der vollständigen Versorgung der Bevölkerung mit einheimischen Produkten, ist das Ölland Venezuela weiter entfernt denn je.

Die Reisproduktion gehört dabei gar nicht zu den Sorgenkindern; sie steigt kontinuierlich an. Auch letztes Jahr hatte die Verstaatlichung von Milch- und Fleischfabriken kurzfristig zur Linderung von Lebensmittelengpässen beigetragen. Denn insgesamt ist die flächendeckende Versorgung mit Grundnahrungsmitteln dank zweier staatlicher Vertriebsnetze und dem Festpreissystem garantiert.

Doch das Getöse um die Reisfabriken lenkt langfristig vom Wesentlichen ab: In den Jahren des Erdölbooms ist es der Regierung Chávez nicht gelungen, ihre hehren Absichten umzusetzen. So wurden 2008 deutlich mehr Hühner, Rindfleisch oder Milchpulver importiert als im Vorjahr.

Bisher waren immer genug Petrodollars vorhanden, um die Defizite bei der einheimischen Produktion durch Nahrungsmittelimporte auszugleichen. Da fiel es nicht weiter auf, dass die schon lange von Chávez propagierte "Entwicklung nach innen" lahmte - viele Kooperativen auf dem Lande scheiterten, immer häufiger übernahmen Staatsfunktionäre die Leitung von Agrarbetrieben. Von der gesamten Agrarfläche wird nur ein Viertel genutzt, die Landflucht hält an, neue Versorgungsengpässe sind absehbar.

Eine Kommandowirtschaft oder auch die ständige rhetorischen Polarisierung durch Chávez werden kaum dazu beitragen, die Nahrungsmittelproduktion in Venezuela dauerhaft zu beflügeln. Vielmehr brauchen Klein- wie Großproduzenten klare Vorgaben, rechtliche Garantien und genug Raum für Eigeninitiative. GERHARD DILGER

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Gerhard Dilger

Gerhard Dilger

Gerhard Dilger schreibt seit 1996 für die taz. 2008 war er Mitbegründer des latin@rama-Kollektivs, bis 2012 Südamerikakorrespondent der taz in Porto Alegre, anschließend Büroleiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung in São Paulo und Buenos Aires. Seit einigen Jahren wieder freier Journalist, u. a. für Le Monde diplomatique, Evangelischer Pressedienst, Freitag, nd, Wochenzeitung und Südwind. Bis Ende Juni unterwegs in Kolumbien.
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2 Kommentare

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  • H
    Haller

    Chavez mit dem Verbrecher Mugabe zu vergleichen ist doch wohl nicht angebracht.

    Seine Absicht wie zitiert: "Die Regierung ist für das Volk nicht für die Reichen da", ist zunächst einmal völlig richtig, und so mancher Politiker in sog. demokratischen Staaten könnte das mal verinnerlichen. Seine Mittel sind leider oft nicht glücklich.

    H.

  • CS
    Chien Sibelois

    Chavez wird leider so enden wie Mugabe.