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Kommentar Kieler KulturkürzungenBankrott der Kulturpolitik

Friederike Gräff

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Friederike Gräff

Den Verantwortlichen ist es gleichgültig, welche Einsparungen sie eigentlich erreichen.

D as Land Schleswig-Holstein muss sparen - und tut es jetzt sogar. Dass dann all jene, die es trifft, die eigene Unersetzlichkeit beschwören, ist nicht ungewöhnlich und ändert wenig an der Unabdingbarkeit des Sparens. Das ist die eine Wahrheit in der Causa Institut für Niederdeutsche Sprache, dem das klamme Schleswig-Holstein die Zuschüsse streichen will.

Die andere, interessantere Wahrheit sind die sonderbaren Begleitumstände des Kürzungsvorhabens. Wie ernst kann man ein Kultusministerium nehmen, das einen Vertrag aufkündigt, der nur durch zwei Parteien kündbar ist - sich aber vorher in keinster Weise abstimmt, wie die anderen Vertragspartner sich dazu stellen werden? Da gibt es nur eine Antwort: den Verantwortlichen ist es gleichgültig, welche Einsparungen sie tatsächlich erreichen - Hauptsache, man hat auf dem Papier etwas vorzuweisen.

Das ist die formale Selbst-Disqualifizierung. Die Behörde liefert aber auch die inhaltliche: Wer einer Institution nach 35 Jahren die Zusammenarbeit aufkündigt, ohne inhaltliche Gründe zu nennen, hat entweder keine klaren Richtlinien, nach denen er seine Arbeit ausrichtet. Oder aber er hat so wenig Respekt für die Arbeit des Gegenübers, dass er es nicht für notwendig hält. Eine Bankrotterklärung der schleswig-holsteinischen Kulturpolitik ist beides.

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Friederike Gräff

Friederike Gräff Redakteurin taz nord

Ausgebildet an der Deutschen Journalistenschule. Interessiert sich dafür, was Menschen antreibt, sei es in Gerichtsprozessen oder in langen Interviews. Hat ein Sachbuch übers Warten geschrieben, "Warten. Erkundungen eines ungeliebten Zustands", Chr.Links Verlag und eines übers Schlafen "Schlaf. 100 Seiten", Reclam. Im Februar 2025 ist ihr Erzählband "Frau Zilius legte ihr erstes Ei an einem Donnerstag" bei Schöffling erschienen.
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