piwik no script img

Kommentar Gernot Knödler über Wohnen im Kleingarten Alternatives Leben

Gernot Knödler

Kommentar von

Gernot Knödler

Wenn der Grundsatz "ein jeder soll nach seiner façon selig werden" auch im übertragenen Sinne gelten soll, dann muss das Wohnen im Kleingarten toleriert werden.

K leingartenkolonien eilt ja der Ruf voraus, spießig zu sein. Angesichts der Bremer Diskussion über die Dauerbewohner auf den Parzellen, drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass hier Alternativen zum spießigen Leben in der Etagenwohnung zu finden sind. Wenn der Grundsatz „ein jeder soll nach seiner façon selig werden“ auch im übertragenen Sinne gelten soll, dann muss das Wohnen im Kleingarten toleriert werden.

Zu klären ist allerdings, in welchem Umfang und zu welchen Bedingungen das möglich gemacht werden soll. Wohnen im Kleingarten als Ausnahme für solche, die anders leben wollen und dabei Einbußen an Komfort zu dulden bereit sind – das muss möglich sein, so wie auch das Leben im Bauwagen vielerorts richtigerweise toleriert wird.

Die Verwaltung muss jedoch Mittel und Wege finden, um zu verhindern, dass aus den Kleingartenkolonien Slums werden, in denen sich die Armen sammeln. Sie muss sicherstellen, dass Umweltstandards nicht unterlaufen werden, indem Waschmittel und Fäkalien ungeklärt in die Gewässer gelangen. Und sie muss dafür sorgen, dass die Kleingärten weiterhin die ihnen zugedachte Funktion, Erholung für Großstadtbewohner zu bieten, erfüllen können.

Der Senat könnte pragmatisch handeln wie nach dem Krieg und Wohnen auf dem heutigen Stand tolerieren, solange die obigen Bedingungen erfüllt sind. Der Preis dafür wäre, dass er das ab und an kontrolliert.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gernot Knödler

Gernot Knödler Hamburg-Redakteur

Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • V
    viellieb

    Wohnen im Kleingarten ist zwar verboten aber leben ist dort möglich ;)

    Ich sprech aus jahrelanger Erfahrung und außerdem,

    Hecke auf 1,2m ist super! Hät ich mit 15j. auch nicht gedacht aber heute muss ich bestätigen das

    Nachbaschaftliche Beziehungen wesentlich besser sind wenn sich die Leute in die Augen schauen müssen!

    Bei allen Vereinen aber auch sonstigen Nachbarschaften grad aufm Dorf die ich kenn (und es sind einige) die sich hinter Ihren Hecken verstecken, gibbet ständig knatsch...

    und wer kein bock auf Grillen,Bier oder gar Nachbarn hat wird in Deutschland schwer glücklich werden, denk ich.

    Mein TIP wäre in dem Fall ne nette Parzelle inna Mongolei... und ein Wochenendseminar im grünen zum Thema Akzeptanz

     

    bunte Grüße

  • H
    Hugo

    In Hamburg verbietet die Satzung der Kleingartenvereine das Wohnen im Kleingarten, erlaubt ist nur einmaliges Übernachten. Um an einen Kleingarten zu gelangen, muß in den Kleingartenverein eingetreten werden. Daß sich kein libertäres Verhalten breit macht, dafür sorgen die kontrollfreudigen Nachbarn, alternatives Leben ist in den Vereinen ein Reizwort. Heckenschneiden und bierselige Grillparties sind eher die angesagten Vergnügungen.