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Kommentar Arbeitsmarktpolitik Kostbare Strukturen

Kaija Kutter

Kommentar von

Kaija Kutter

Der Senat muss mehr politischen Willen zeigen, die soziale Infrastruktur zu erhalten. Fließen wieder Millionenbeträge ungenutzt an den Bund zurück, ist das nicht mehr vermittelbar.

V or einem Jahr waren 1-Euro-Jobs in Hamburg ein heißes Thema. Inzwischen hat eine Kürzungswelle viele Projekte lahm gelegt, man hört nichts mehr von Strandläufern, Tauschläden oder Suppenküchen.

1-Euro-Jobs sind politisch zu Recht umstritten. Aber ging man zu den Projekten, traf man dort viele Menschen, die froh waren, eine Aufgabe, einen Anlaufpunkt für den Alltag zu haben. Diese Menschen sind gewiss nicht alle plötzlich in den ersten Arbeitsmarkt integriert.

Das Beispiel der Schulküchen zeigt, dass es gelingen kann, aus diesen Projekten mit staatlichen Zuschüssen richtige Jobs zu schaffen. Die geringe Nachfrage beim „Hamburger Modell“ dagegen macht deutlich, dass dies losgelöst von staatlich subventionierter Infrastruktur schwierig ist. Die Arbeitgeber scheuen, die schwer vermittelbaren Langzeitarbeitslosen zu nehmen.

Das zeigt, wie kostbar die soziale Infrastruktur ist, die hier verloren zu gehen droht. Der Senat muss sie mehr schätzen und mehr politischen Willen zeigen, sie zu erhalten. Sollten in 2012 wieder hohe Millionenbeträge zurück nach Berlin gehen und für 2013 die Mittel wieder falsch eingeschätzt worden sein, wäre das nicht mehr vermittelbar.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Kaija Kutter

Kaija Kutter Redakteurin taz-Hamburg

Jahrgang 1964, seit 1992 Redakteurin der taz am Standort Hamburg für Bildung und Soziales. Schwerpunkte Schulpolitik, Jugendhilfe, Familienpolitik und Alltagsthemen.
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