Kommentar Apples Umsatzeinbrüche: Der Apfel fällt
Die Einbußen beim IPhone-Verkauf alleine auf Trump und den Handelskrieg mit China zu schieben, ist schwach. Apple hat sich einfach verrechnet.
W em es gut geht, der ruht sich gern erstmal auf dem Erreichten aus – das galt auch für den Technikkonzern Apple. Solange sich das IPhone zu beliebigen Preisen verkaufte, solange Millionen wohlhabender Chinesen kein anderes Smartphone akzeptierten, schien es keinen Grund für Veränderungen zu geben. Jetzt bricht das Geschäftsmodell zusammen.
Eigentlich sollte sich die Überraschung in Grenzen halten: Die Marktanteile waren in der Handy-Welt schon immer beweglich. Während Firmen wie Miele und Coca-Cola mit ihren Produkten langfristige Werte schufen, ziehen die führenden Handy-Anbieter wie ein Flimmern durch die Wirtschaftsgeschichte. Siemens Mobile, Motorola, Nokia, Blackberry, Sony Ericsson, HTC – sie alle trugen bereits mit mindestens einem Modell die Krone des Marktführers.
Heute sind sie fast vergessen: Sie haben Trends verpasst, weil sie sich an ihren vermeintlichen Stärken klammerten, wurden von der Konkurrenz überholt und überraschend schnell vom Kunden abgehakt.
Apple schien die Ausnahme zu sein, doch die Warnzeichen waren unübersehbar. Im vergangenen Jahr stagnierte der Absatz von I-Phones. Bezeichnenderweise durchbrach das Unternehmen quasi zur selben Zeit die Rekord-Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar. Firmenchef Tim Cook verbreitete da noch Optimismus: Den sinkenden Absatz könne er durch höhere Preise auffangen. Hochmut kommt vor dem Fall.
Warum das Doppelte zahlen?
Mit den aktuellen Zahlen offenbart Cook nun die Wahrheit: Die Kunden waren nicht bereit, die überzogenen Preise von zum Teil bis zu 1.600 Euro für die neuen Modelle hinzulegen. Schließlich gibt es für die Hälfte ein praktisch ebenbürtiges Top-Smartphone aus China. Dort, auf dem weltgrößten Handy-Markt, haben die Kunden das gemerkt. Der Trend ist weltweit zu spüren.
Nun alles auf China und den Handelskrieg zu schieben ist daher Augenwischerei. Apple muss seinem Ruf wieder gerecht werden, wirklich neue und hilfreiche Elektronik herzustellen, statt nur die Preisschraube für das Immergleiche anzuziehen.
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