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Kommentar Althaus kandidiertDieter Althaus fährt weiter - geradeaus

Ambros Waibel

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Ambros Waibel

Der thüringische Ministerpräsident lässt sich von seinem Weg nicht abbringen. Er bleibt Spitzenkandiat der thüringischen Union.

D arf Dieter Althaus sich nach seiner Verurteilung wieder um das Amt des thüringischen Ministerpräsidenten bewerben? Er soll es sogar, sagen 61 Prozent der Deutschen der Umfrage "ARD-Deutschlandtrend" zufolge. Und dabei ist die interessantere Frage doch: Warum muss er unbedingt kandidieren? Warum nimmt er keine Auszeit?

Es ist ein relativ junges Phänomen, dass Politiker von ihrem Metier als einer Sucht sprechen. Erst kürzlich erklärte Bayerns Exministerpräsident Beckstein Politik zu einer Droge, von der man schwer loskomme. Ähnlich äußerte sich Nachfolger Seehofer nach seiner lebensgefährlichen Herzerkrankung.

Dieses Bekenntnis zur eigenen Abhängigkeit ist auch ein taktisches Statement: In unserer individualisierten und hedonistischen Gesellschaft kann man weder mit altväterlicher Pflichterfüllung noch mit lustfeindlichem Ehrgeiz sich dem Wähler andienen. Als Repräsentanten von Im-Job-Selbstverwirklichern macht für Politiker das öffentliche Amt Lebens-Sinn.

So gesehen kann man verstehen, dass der schwer verletzte Dieter Althaus nach Aussage seiner Ehefrau von seinem Krankenbett aus täglich mit der Erfurter Staatskanzlei telefonierte - und zwar als Rekonvaleszent. Bis heute stufen die Ärzte ihn als nicht vernehmungsfähig ein. Ein Regierungssprecher dementierte die Mitteilung von Frau Althaus umgehend. Denn Dieter Althaus, der für die CDU in Thüringen unersetzbar scheint, durfte nicht wie ein Politjunkie wirken. Solange er nicht juristisch rehabiliert war, musste er offiziell krank sein.

Für diese Rehabilitierung hat Althaus ganz auf die Justiz gesetzt. Er ist (knapp) einer Vorstrafe entgangen, also kann er weitermachen, bestätigen CDU-Granden wie Bernhard Vogel. Althaus erklärte darüber hinaus, er werde alles - und mehr, als er gesetzlich verpflichtet wäre - tun, um die Angehörigen von Beata C. materiell zu entschädigen. Von seinem Weg aber lässt er sich nicht abbringen. Er kann sich nun wieder zu der Kombination Job/Lebenssinn bekennen - und hat damit die Mehrheit der Deutschen hinter sich. Dieter Althaus fährt weiter - geradeaus.

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Ambros Waibel

Ambros Waibel taz2-Redakteur

Geboren 1968 in München, seit 2008 Redakteur der taz. Er arbeitet im Ressort taz2: Gesellschaft&Medien und schreibt insbesondere über Italien, Bayern, Antike, Organisierte Kriminalität und Schöne Literatur.

2 Kommentare

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  • BK
    Birgit Kramer

    Der Besucherdienst des Thüringer Landtages logiert in der Jürgen-Fuchs-Str. 1. Ich stamme aus Reichenbach im Vogtland, der Geburtsstadt des Bürgerrechtlers Jürgen Fuchs, und seine Ideen haben mich beschäftigt, viele seiner Ansichten sind auch die meinen. Jürgen Fuchs wäre ebenso wie ich entsetzt über die neuerliche Kandidatur des Politikers Dieter Althaus als Spitzenkandidat der CDU für den Thüringer Landtag gewesen. Ein vorher noch so guter Politiker, der fahrlässig die Mutter von drei Kindern getötet hat, hat meiner Meinung seine mögliche Position an der Spitze eines Bundeslandes verwirkt. Ist ein Menschenleben so wenig wert, dass Herr Althaus weiterhin im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen kann? Dieses Desaster wird nicht vergessen werden, sollte es doch geschehen, wäre es beschämend für uns alle.

     

    Ich glaube nicht, dass meine Worte nur die mindeste Wirkung zeigen, doch wollte ich das für mich unfassbare Geschehen nicht unkommentiert lassen. Dafür bin ich im Wendeherbst nicht auf die Straße gegangen, und das Wort „christlich“ in der CDU ist nur leerer Schall und Rauch.

     

    Ich habe diese klare Stellungnahme in Ihrem Artikel vermisst.

  • IH
    Istvan Hidy

    Geradeaus - weiter auf die falsche Richtung!