Kommentar 4.-Juli-Feier in Washington

Kulisse für Trumps Ego

Trump macht zum Nationalfeiertag die Wiese vor dem Weißen Haus zur Kulisse für seinen nächsten Wahlkampf. Gut dürfte ihm das nicht bekommen.

Soldaten stehen neben Panzer und einem Partyservicewagen in der Nähe des Lincoln Memorials

Vorbereitungen zur Feier am Vortag Foto: ap

Normalerweise steigen am 4. Juli Rauchwolken über den USA auf. Das Volk grillt, trinkt Bier und erfreut sich an Feuerwerken, von denen ein besonders großes in Washington stattfindet. Ursprünglich erinnerte der Nationalfeiertag an das Ende der britischen Kolonialherrschaft und die schriftlich fixierten neuen Grundwerte, inklusive Freiheit und Glück. Aber all das kommt höchstens in Festreden vor.

So war es bislang. Aber in diesem Jahr tritt Donald Trump, der schon so viele andere Gepflogenheiten über Bord geworfen hat, auch den zivilen Charakter des Nationalfeiertags mit Füßen. Während frühere Präsidenten am 4. Juli allen­falls Gäste im Weißen Haus bewirteten, sich aber ansonsten heraushielten, will Trump die Mall für eine Machtdemonstration nutzen. Er lässt Kriegsflugzeuge darüber fliegen. Er lässt Panzer und gepanzerte Fahrzeuge am Rand parken. Er hat seine Basis aufgefordert, nach Washington zu kommen. Und er will zu allem Übel auch noch eine Rede vor dem Lincoln Memorial halten.

Es ist der offensichtliche Versuch, ein ziviles und parteiübergreifendes Volksfest zu militarisieren und zu politisieren. Zusätzlich ist es eine Vertiefung der Spaltung der Gesellschaft in jene, die Trump verehren und in der Mall willkommen sind, und jene, die von ihm als „Lügner“ und „Verlierer“ beschimpft werden. Vor allen Dingen aber ist es die Vereinnahmung einer nationalen Tradition für persönliche Zwecke: Trump drängt sich wieder einmal selbst in den Mittelpunkt. An symbolträchtigem Ort will er den Eindruck erwecken, dass er das Volk hinter sich hat.

Es ist die Vereinnahmung einer nationalen Tradition für persönliche Zwecke

Aber die Bewohner der US-Hauptstadt verachten Trump. Fast die Hälfte von ihnen sind Afroamerikaner, die nichts Gutes von einem Präsidenten erwarten können, der die Zeiten der ­Weißen Vorherrschaft als Idylle betrachtet. Und fast alle Washingtonians wählen demokratisch. Im November 2016 bekam Trump dort nur 4 Prozent der Stimmen. Seither hat er sich im ­Weißen Haus eingebunkert. Denn die Washingtonians haben ihn spüren lassen, wie unerwünscht er in ihrer Stadt ist.

Trump reagiert nun auf seine Weise und macht die Wiese im Zentrum der US-Hauptstadt zur Kulisse für seinen nächsten Wahlkampf.

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Kommt aus Köln. Ihre früheren journalistischen Stationen waren Mexiko-Stadt, Berlin und Paris. Seit 2010 ist sie taz-Korrespondentin in den USA. Sie lebt in New York.

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