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Kolumne Russia TodayFans ins Freilandhaltung

Kolumne
von Johannes Kopp

Die Fifa lockt Fußballfans auf einen Hügel in Moskau. Viele, die hingehen, kommen nicht zum Fußballgucken. Konsum ist ihnen wichtiger.

Fußballfans fotografieren sich in Moskau Foto: dpa

D ie einstmals als Leninberge bekannte Erhebung in Moskau ist schon zu einer der Pilgerstätten dieser Weltmeisterschaft geworden. Dieser, sagen wir: Berg westlich des Moskwa-Ufers ist mit einem Höhenunterschied von 70 Metern auch für ein breites Publikum leicht besteigbar. Dominanz und Größe gewinnt die erhöhte Parkanlage allein durch das monumentale Hauptgebäude der staatlichen Universität im stalinschen Zuckerbäckerstil. Der mächtige Turm des Klotzes ragt 240 Meter in den Himmel.

Es ist aber weniger das akademische oder architektonische Interesse, das die vielen Menschen hierher treibt. Zum Leidwesen der prüfungsgestressten Studenten werden sie von etwas anderem angezogen. Die Fifa hat das Gelände nämlich für ihren großen Fußballrummel gebucht. Das Fifa-Fan-Fest, eine Erfindung der WM 2006, findet bei diesem Turnier ausgerechnet hier statt.

So eine Weltmeisterschaft bietet ja viele schöne bunte Bilder von Begegnungen. In der Innenstadt von Moskau rund um den Roten Platz etwa hüpfen und singen an allen Ecken und Enden diverse Fangruppen – die Südamerikaner sind besonders stark vertreten. Und man kommt untereinander spielend leicht ins Gespräch.

Diesem eher anarchischen Treiben hat die Fifa mit ihrem Fanfest eine organisierte Plattform gegeben. Und es funktioniert. Wie Lämmer folgen die Fußballanhänger westlich des Moskwa-Ufers den Hinweisschildern, um dann auf einem eingezäuntem Gelände ausschließlich die Produkte der Fifa-Hauptsponsoren zu konsumieren und auf den drei Großbildleinwänden die Übertragung von Fußballspielen zu schauen. Wenn man so will, kann man das als profitable Freilandhaltung von Fans bezeichnen. Und nebenbei werden eben auch noch diese schönen Begegnungsbilder generiert, die so anrührend sein sollen.

Umgekehrt scheint wiederum das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Stall groß zu sein. Das Erstaunliche ist, dass viele, die auf das Moskauer Fanfest gehen, nicht zum Fußballgucken gekommen sind.

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Am Freitag beim Spiel der Gruppe B zwischen Marokko und dem Iran beispielsweise saßen vielleicht 3.000 Menschen vor den Großleinwänden, fast genau so viele tummelten sich an den Sponsorenständen. Was der Fußballverband vorgibt, wird konsumiert.

Das Selbstbewusstsein der Interessenvertreter des Fußballs, wirklich jede und jeden für sich vereinnahmen zu können, auch die Journalisten, ist grenzenlos geworden. Der DFB hat mir beispielsweise dieser Tage mit einer automatisch erstellten Mail wieder einmal zum Geburtstag gratuliert. Auf einem Bild ist Thomas Müller von hinten zu sehen mit der Rückennummer 47, meinem Lebensalter. Dazu der Text: „Der Deutsche Fußball-Bund feiert Dich … Wir wünschen Dir für die Zukunft alles erdenklich Gute und dass Du noch viele Erfolge mit den Teams des DFB feiern kannst.“

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taz-Sportredakteur
Jahrgang 1971, bis Ende März 2014 frei journalistisch tätig. Seither fest mit dem Leibesübungen-Ressort verbunden.
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1 Kommentar

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  • Im Westen nichts Neues.