Kolumne Liebeserklärung: Briten auf Toblerone-Entzug
Die Schokolade wird jetzt in Großbritannien mit weniger Dreiecken verkauft. Wir Briten wollten den Brexit – aber nicht um diesen Preis!
S eit dem Brexit-Referendum vor vier Monaten müssen die Briten eine neue, ungewählte Regierungschefin, eine strauchelnde Währung und steigende Inflationsrate ertragen, aber jetzt reicht’s! Denn jetzt geht es um Toblerone, diese dreieckige Schokolade, diese Reminiszenz an die Schweizer Alpen, und: des Briten Lieblingsgeschenk an den Feiertagen.
Landauf, landab erinnert dieser süße, nussige Geschmack an Wintertage; daran, wie man, in eine Decke eingemummelt, auf dem Sofa sitzt; wie man gemeinsam mit der Familie Filme schaut; wie die Finger von klebriger geschmolzener Schokolade überzogen sind, weil man mit voller Kraft diese überdimensionierten Dreiecke auseinanderbrechen musste. Diese Erinnerungen werden nun in die goldenen Prä-Brexit-Tage verbannt.
Mit den gestiegenen Kosten für die Inhaltsstoffe begründet der Toblerone-Hersteller Mondelez seine Maßnahme, bei der in Großbritannien verkauften Version des Schokoriegels auf einige Dreiecke zu verzichten – und einfach den Abstand zwischen den Dreiecken zu vergrößern.
Während ganz Europa über die Feiertage den vollen Riegel genießen darf, müssen wir Briten mit der Hälfte auskommen. Natürlich zum gleichen Preis wie vorher. Weniger Schweizer Alpen, mehr Nationalpark Brecon Beacons in Wales.
Empfohlener externer Inhalt
Oh no! What's next? #Toblerone #TobleroneGate pic.twitter.com/yd3In76QHA
— David Maninger (@Davemanin) 8. November 2016
Die Autorin kommt aus London, schreibt für das Prospect Magazine und ist gerade bei der taz zu Gast.
Wir sind bekannt dafür, vieles zu ertragen. Aber das ist zu viel. Bei Twitter und Facebook sind die Menschen geschockt. „Ich bin gefangen in einem Albtraum und kann nicht aufwachen“, schrieb einer.
Ein anderer wandte sich direkt an die Firma: „Ihr habt gerade Millionen trauriger Briten das Weihnachtsfest versaut.“ Andere bieten einfach Prä-Brexit-Toblerone – teilweise schon angegessen – zu astronomischen Preisen an.
Wir wollten Großbritannien wieder groß machen. Wir wollten unser Land wiederhaben – aber jetzt wollen wir nur unsere Toblerone zurück.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert