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Kolumne LiebeserklärungDanke, Dresdner Polizei

Michael Bartsch
Kolumne
von Michael Bartsch

Staatsbürger in Schutzausrüstung möchten auch nur edel sein. In Dresden zeigte sich der „Freund und Helfer“ höflich und kompetent.

D ie wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit / konnten selber nicht freundlich sein“ – man könnte einen Preis ausloben, ob auch nur einer der 250.000 Polizeibeamten in Deutschland dieses „an die Nachgeborenen“ gerichtete Brecht-Zitat kennt. Dabei eignete es sich so als Leitspruch! Denn auch der Staatsbürger in Schutzausrüstung möchte im Grunde nur edel und hilfreich sein.

Nehmen wir also das Beste an und glauben an das Ideal vom „Freund und Helfer“. Und, mal ehrlich, würden nicht auch die schwarz vermummten „Bullenschweine!“-Rufer nach der Polizei verlangen, wenn sie von den anderen schwarz Vermummten angegriffen würden?

Nur leiden Helfer manchmal am Helfersyndrom. Und jene in Uniform sind ja dazu da, die alte Ordnung aufrechtzuerhalten, nicht dazu, Reformen oder Revolutionen anzuzetteln. Dafür eignen sich nun mal Menschen eher, die das Herz auf dem rechten Fleck haben. Als Berufsneutrale dürfen Polizisten das aber selber gar nicht merken. Das bleibt anderen vorbehalten, etwa Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig. Was bekam der für Haue, als er unterstellte, Sympathien für Pegida seien „bei der sächsischen Polizei größer als im Bevölkerungsdurchschnitt“.

Warum bedankt sich Pegida-Häuptling Lutz Bachmann auch allmontäglich bei der Polizei und bringt sie damit in Verlegenheit? Zum Glück war der Beamte, der ihnen am 3. Oktober in Dresden einen „erfolgreichen Tag“ wünschte, Niedersachse. Dass der Hauptfeind links steht, zeigte sich tags zuvor. Auf einen mehr oder weniger radikalen Linken kam gefühlt ein Polizist, wenn nicht ein Einsatzwagen.

Aber dann blieben die Durchsagen doch höflich, und vor der Frauenkirche versuchten die Beamten zumindest, das Spießrutenlaufen der VIPs zu mildern. Und der frühere Landespolizeipräsident Bernd Merbitz gehört als Leiter des Operativen Abwehrzentrums zu den schärfsten Verfolgern von Nazistrukturen. Sie bleiben eben manchmal Helfer, selten Freunde, aber immer Menschen in Uniform.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Michael Bartsch

Michael Bartsch Inlandskorrespondent

Seit 2001 Korrespondent in Dresden für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Geboren 1953 in Meiningen, Schulzeit in Erfurt, Studium Informationstechnik in Dresden. 1990 über die DDR-Bürgerbewegung Wechsel in den Journalismus, ab 1993 Freiberufler. Tätig für zahlreiche Printmedien und den Hörfunk, Moderationen, Broschüren, Bücher (Belletristik, Lyrik, politisches Buch „System Biedenkopf“). Im Nebenberuf Musiker.
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