Kolumne Ich meld' mich: Teufelskerl am letzten Limit
Ob beim Surfen auf dem Toten Meer oder beim Trampen zum Himalaya, Jen Swunkemoet scheitert grandios. Und macht ein Top-Buch daraus.
Bild: imago/Blickwinkel
L ange hat man nichts mehr von Jen Swunkemoet gehört. Doch jetzt ist er wieder da. Pünktlich zur Buchmesse erscheint das neue Werk des Abenteurers, den Kritiker einmal als „Gottes Gegenentwurf zum menschlichen Kleinmut“ bezeichneten.
Und es wird, so viel steht fest, wie eine Naturgewalt einbrechen in die Welt der Katalogbucher, Hotelreservierer und Reiserücktrittsversicherungsnehmer.
„Teufelskerl am letzten Limit“ setzt erfolgreich die Reihe von „Pax, geh heim!“ und „Ich und ich am Arsch der Welt“ fort, mit denen der Autor schon zuvor die Bestsellerlisten eroberte.
ist freier Autor und lebt in Lübeck. Kontakt: www.franz-lerchenmüller.de
Wieder einmal stößt Swunkemoet in Bereiche vor, an die andere nicht einmal zu denken wagen: Er versucht, im Toten Meer zu surfen, trampt erfolglos auf dem Highway zum Himalaja, startet eine Durchquerung des Regenwaldes von Belize mit dem Hochrad oder steigt zum Apnoetauchen in die Emscher. Er scheitert. Immer.
Aber dieses Scheitern gerät zum heroischen Zeugnis menschlicher Selbstvergewisserung. Oder, wie der Autor in der ihm eigenen Nachdenklichkeit sagt: „Jemand musste es tun. Und es konnte nur einen geben.“
Auch diesmal findet sich alles, was einen Swunkemoet ausmacht: das Lächeln des Dalai Lama, die Liebesschwüre einer Stefanie Hertel und die Blasenschwäche des Globetrotters. Wie immer ist es der Mut zur bedingungslosen Offenheit, der dieses Buch so einzig macht: eisenhart wie die Erde Äthiopiens, abgründig wie der Marianengraben.
Natürlich trägt die Biografie des Autors zum Verkaufserfolg bei. Der schweigsame Norddeutsche, der laut Angaben seines Verlages „zu Talkshows hingeprügelt“ werden muss, wuchs auf einer Warft vor Husum auf.
Er sprach früh, selten und wenn, dann nur in prägnanten Sätzen. Später arbeitete er als Rangieranwärter und Smartphonist und gab eine Karriere als Flagellant zugunsten seiner wahren Liebe, der Literatur, auf.
Mit „Teufelskerl am letzten Limit“ hat Swunkemoet seinen bisher größten Wurf hingelegt: ein Matterhorn von einem Buch.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert