Klimaschutz der katholischen Kirche: Vatikan startet internationale Allianz für Ökologie
Mit einem neuen Netzwerk will Papst Leo XIV. Glaube, Wissenschaft und soziale Gerechtigkeit zusammenführen, um ökologische Ungerechtigkeit zu bekämpfen.
„Global Alliance for Ecology“, auf Deutsch „Globale Allianz für Ökologie“: So heißt das neue Bündnis, das der Vatikan mit einer großen Tagung in Castelgandolfo vor den Toren Roms schmiedet.
Vertreter*innen von mehr als 60 Universitäten, Forschungseinrichtungen und anderen Institutionen aus Asien, Afrika, Amerika und Europa waren geladen, um sich miteinander im Einsatz für die Umwelt zu vernetzen. Organisatoren des Meetings sind das noch von Papst Franziskus ins Leben gerufene Zentrum Laudato si’ aus Castelgandolfo sowie die katholische US-Universität Notre Dame.
Mit dieser Initiative ebenso wie mit dem Tagungsort macht Papst Leo XIV. deutlich, dass er sich auch auf diesem Feld in direkter Kontinuität zu seinem Vorgänger Franziskus sieht. Er hatte zu Ende seiner Amtszeit die Schaffung des „Borgo Laudato si’“ angeschoben, in dem sich im Sommersitz der Päpste in Castelgandolfo ein sich über 55 Hektar erstreckender Botanischer Garten sowie eine Akademie befinden.
Mit dem Namen Laudato si’ wiederum hatte Franziskus an seine Enzyklika von 2015 angeknüpft. Dieses päpstliche Lehrschreiben hatte er wiederum nach dem „Gesang der Geschöpfe“ des heiligen Franz von Assisi benannt, in dem Franz die Einheit Gottes und der Menschen mit der Umwelt besungen hatte. Papst Franziskus hatte in seiner Enzyklika – die er selbst als „Sozial-, nicht als Umweltenzyklika“ bezeichnete – die enge Verbindung zwischen dem Schutz der Umwelt und sozialer Gerechtigkeit unterstrichen. Eben dies meinte er mit „ganzheitlicher Ökologie“: Es gehe um einen Ansatz, „der die Gerechtigkeit in die Umweltdiskussionen aufnehmen muss, um die Klage der Armen ebenso zu hören wie die Klage der Erde“.
Ökologische Wende unter Franziskus
Schon Papst Ratzinger hatte allerdings mit der ökologischen Umrüstung des Vatikans angefangen, hatte dort nicht bloß die Mülltrennung eingeführt, sondern auch im Jahr 2008 auf dem Dach der großen Audienzhalle Photovoltaik-Panels installieren lassen, denen in den Folgejahren diverse weitere Solaranlagen auf Vatikan-Gebäuden folgten. Und mit der im Gang befindlichen Installierung einer Großanlage auf dem Vatikan gehörenden Feldern nördlich von Rom will die Kurie sich in Zukunft komplett mit erneuerbaren Energien versorgen.
Die echte ökologische Wende der katholischen Weltkirche erfolgte jedoch unter Franziskus – nie zuvor hatte ein Papst dem Thema eine eigene Enzyklika gewidmet. Im Geist dieser Wende steht auch die jetzt angeschobene „Globale Allianz für Ökologie“. Ihr gehe es, so Vatican News, um die Schaffung eines Netzwerks, „das in der Lage ist, die globale Wirkung der integralen Ökologie zu stärken, indem sie Glaube, Wissenschaft und sozial Gerechtigkeit zusammenführt, um so die Schädigung der Umwelt, Ungleichheit und ökologische Ungerechtigkeit zu bekämpfen“.
Geht es nach den Veranstaltern, so soll am Ende der Tagung die Schaffung „thematischer Gruppen zur Entwicklung von Forschungsagenden und Weiterbildungsinstrumenten“ stehen, nicht zuletzt aber „die Stärkung der Sichtbarkeit und des Beitrags des Katholizismus in der internationalen Debatte über Nachhaltigkeit“.
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