Keine Abtreibungen mehr in Flensburg: Der Glaube ist nicht das Problem

In einem neuen kirchlichen Krankenhaus soll es keine Abtreibungen mehr geben. Aber es sind längst nicht nur konfessionelle Träger, die so handeln.

Eine Infusion hängt am Tropf

Verantwortlich für solche Zustände ist nicht der Glaube, sondern das deutsche Abtreibungsrecht Foto: Marcelo Leal / Unsplash

Zwei kirchliche Träger planen ein ökumenisches Krankenhaus und weigern sich, dort weiter Abtreibungen durchzuführen. Es wäre aber verlogen, sich jetzt über konfessionelle Kliniken aufzuregen. Denn sie sind nicht die Einzigen, die so handeln.

Unikliniken sehen sich außerstande, neben den Spätabbrüchen von behinderten Kindern die ganz normalen Abtreibungen durchzuführen. Und zahlreiche Kliniken in privater oder städtischer Trägerschaft machen Schwangerschaftsabbrüche nach ihren ganz eigenen Regeln.

Manche verweigern einer Frau den Schwangerschaftsabbruch, wenn dies bereits ihr zweiter ist. Sehr viele wollen nur bis zur 10. Schwangerschaftswoche operieren, obwohl es bis zur 14. erlaubt wäre. Das dann ausschließlich in Vollnarkose und nicht unbedingt mit der schonenderen Absaugmethode, weil der Chef nur Ausschabung gelernt hat

Und zwischendurch fällt der Eingriff aus, weil es gerade niemanden in der Gynäkologie gibt, der will. Oder einen leitenden Arzt, der es verbietet, wie vor drei Jahren im wendländischen Dannenberg. Darüber hatte sich die niedersächsische Gesundheitsministerin empört – aber dazu geschwiegen, dass in ihrem Bundesland Frauen bis zu 150 Kilometer für den Eingriff fahren müssen.

Schwangerschaftsabbrüche sind keine Kassenleistung

Verantwortlich für solche Zustände ist nicht der Glaube, sondern das deutsche Abtreibungsrecht. Das erlaubt nicht nur dem oder der einzelnen Ärzt*in, Abtreibungen aus Gewissensgründen abzulehnen, sondern bietet Kliniken einen Freifahrtschein, nach Gutdünken zu handeln. Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland eine Straftat, daher keine Kassenleistung, weswegen die Kliniken auch nicht dazu verpflichtet werden können.

Das führt dazu, dass bundesweit die Zahl der Praxen und Kliniken sinkt, die Abbrüche durchführen. Wer ein Interesse daran hat, dass Frauen gut und wohnortnah versorgt werden, wenn sie ein Kind nicht bekommen wollen, muss das Gesetz ändern, sprich den Paragrafen 218 abschaffen. Der Vorschlag der Bundesregierung, die Medizi­ner*innenausbildung zu verbessern, greift zu kurz.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Seit 2003 bei der taz als Redakteurin und Chefin vom Dienst in Bremen. Themenschwerpunkte: Soziales, Gender, Gesundheit. M.A. Kulturwissenschaft (Univ. Bremen), MSc Women's Studies (Univ. of Bristol); Ausbildung an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin; Lehrbeauftragte an der Univ. Bremen; seit 2019 in Weiterbildung zur systemischen Beraterin.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben