: Kein Karate mehr gegen Nonnen
Nabu und Grüne fordern nach Verbot des Insektizideinsatzes eine Neuausrichtung der Forstpolitik
Nach dem Einsatzstopp des Insektizids „Karate Forst flüssig“ gegen den Kiefernschädling Nonne in Brandenburg hat der Naturschutzbund (Nabu) eine Neuausrichtung der Forstwirtschaft gefordert. Vorrang müssten natürliche Formen des Pflanzenschutzes haben, sagte der Landesvorsitzende Friedhelm Schmitz-Jersch am Wochenende. Dazu zähle ein Umbau des Waldes hin zu Mischwäldern.
Der Nabu hatte gegen das Versprühen des Insektizids mit Hubschraubern im Landkreis Potsdam-Mittelmark geklagt. Während das Verwaltungsgericht Potsdam den Einsatz für zulässig erklärte, stoppte ihn das Oberverwaltungsgericht (OVG) am Freitag. Nun muss sich das Verwaltungsgericht erneut damit befassen. Die Naturschützer befürchten durch das Insektizid eine schwerwiegende Schädigung des gesamten Ökosystems.
Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte, der Einsatz sei notwendig, um die Wälder vor dem Schädling zu retten. „Von den rund 7.700 Hektar befallenen Kiefernwäldern wurden bislang rund zwei Drittel behandelt.“ Für das restliche Drittel gebe es nur noch ein Zeitfenster von zwei Wochen, danach sei der Gifteinsatz „nicht mehr sinnvoll“.
Der Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (Grüne) nannte die Entscheidung des OVG eine „schallende Ohrfeige“ für Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Das Gericht hatte moniert, dass „die Genehmigungsbehörde die erforderlichen naturschutzrechtlichen, insbesondere artenschutzrechtlichen Prüfungen nicht durchgeführt“ habe.
Um insbesondere Wildbienen zu schützen, forderte Raschke zudem ein Programm zum Ausstieg aus dem Einsatz von Pestiziden in Brandenburg. Derzeit gibt es dort zwei Volksinitiativen zum Schutz der Insekten. „Artenvielfalt retten – Zukunft sichern“ strebt ein Verbot für den Einsatz von Pestiziden in bestimmten Schutzgebieten an. Dagegen setzt „Insekten schützen, Kulturlandschaft bewahren!“ auf eine Reduzierung statt auf ein Verbot. (dpa)
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen