corona in hamburg: „Kaum Privatsphäre in Unterkünften“
Der Verein Flaks e.V. ist eine Anlaufstelle für geflüchtete Frauen in der Alsenstraße 33 in Altona. Öffnungszeiten:
Mo bis Do: 10–16 Uhr
Fr 10–14 Uhr
☎040 / 89 69 80 3
E-Mail: info@flaks-zentrum.de
Interview Maike Krob
taz: Frau Kern, am Montag starb eine Frau in einer Flüchtlingsunterkunft durch Messerstiche ihres Ex-Partners. Hätte ihr ein geschützter Telefonraum helfen können?
Marie Kern: Dass eine junge, geflüchtete Frau ermordet worden ist, macht uns grundsätzlich traurig und wütend. Nicht nur spezifisch in Langenhorn, auch insgesamt gibt es keine Rückzugmöglichkeiten für von Gewalt bedrohte oder betroffene Frauen. Aber ob diese Frau den Raum genutzt hätte, ist spekulativ.
Die Altonaer Grünen fordern geschützte Telefonräume in Flüchtlingsunterkünften.
Die Unterkünfte sind sehr eng. Privatsphäre ist sowieso schwierig. Das Sekretariat ist in den Wohnunterkünften nicht länger als bis 17 Uhr besetzt und an den Wochenenden überhaupt nicht. Die Räume außerhalb des Wohnbereichs, die allen Bewohner*innen zugänglich sind, sind dann eben abgeschlossen. Da stellt sich die Frage der Barriere des Zugangs.
Sollten Rückzugsräume von innen abschließbar sein?
Auf jeden Fall muss die Frau bei diesem Gespräch sicher sein. Ich stelle es mir in den Komplexen der Wohnunterkünfte sehr schwierig vor, einen Raum zu gestalten, der anonym zugänglich ist. Es stellt sich auch die Frage, wie solche Räume dann kommuniziert werden. Wenn der potenzielle Täter weiß, wo der Raum ist, würde er diesen auch besonders kontrollieren. Da ist zwischen Theorie und Praxis eine Schwelle.
Sind geflüchtete Frauen auch ohne Pandemie isoliert?
Auf jeden Fall erleben sie eine Isolation. Die Lage der Unterkünfte im Stadtbild und die häufige Betreuung der Kinder isoliert die Frauen. Gerade deswegen sind Bildungsangebote wie Sprachkurse total wichtig für geflüchtete Frauen, um in Kontakt mit anderen zu kommen. Das Flaks-Zentrum ist eine niederschwellige Anlaufstelle. Ein Ort, wo man sich treffen kann, wo man gehört wird, wo man mit seinen Anliegen Ansprechpartnerinnen findet.
Wie hat sich Ihre Arbeit für geflüchtete Frauen durch Corona verändert?
Ab Mitte März waren wir geschlossen für den Publikumsverkehr. Unsere primäre Überlegung war: Wie können wir mit den Frauen durch telefonische Sprechzeiten in Kontakt bleiben. Wir sind gezielt auf Frauen zugegangen, von denen wir wussten, dass ihre Situation sowieso schon prekär ist.
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