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Katastrophe im HimalayaHunderte Touristen nach Sturzflut in Nepal vermisst

Unter den bisher 384 Vermissten im Grenzgebiet zu Tibet sind auch viele Ausländer. Bisher wurden im Katastrophengebiet 95 Tote geborgen.

dap/afp/rtr Nach einer heftigen Sturzflut in der Gebirgsregion von Nepal werden nach Behördenangaben Hunderte Reisende vermisst. Insgesamt würden 384 Touristen, darunter mehr als 290 Ausländer etwa aus Indien, Deutschland, den USA und Spanien vermisst, sagte der leitende Beamte Santosh Panta von der nationalen Tourismusorganisation Nepal Tourism Board der Deutschen Presse-Agentur in Kathmandu.

Die Organisation berief sich dabei auf vorläufige Zahlen von Reise- und Trekkingagenturen, die Touren durch die betroffene Region organisieren. Der Großteil der Vermissten stammt demnach aus dem Nachbarland Indien.

Der Leiter der Polizei der betroffenen Provinz Bagmati sprach zuerst von mindestens 22 Toten, korrigierte die Zahl noch am Mittwochabend (Ortszeit) auf 95. Es werde noch eine Zeit lang dauern, bis genauere Daten zu Vermissten und zum Ausmaß der Schäden vorlägen. Bestätigt wurde, dass auch 26 Polizeibeamte in den betroffenen Hochgebirgsgebieten nahe der Grenze zu Tibet als vermisst galten.

Ganze Dörfer wurden weggespült und Straßen, Brücken sowie Kraftwerke beschädigt, teilten die Behörden am Mittwoch mit. In den sozialen Medien verbreitete Videoaufnahmen vom Grenzübergang in Gyirong zwischen Tibet und Nepal zeigten gigantische Wassermassen, die große Häuser mit sich rissen. Aufnahmen aus anderen Orten zeigten in Schlamm versunkene Gebäude.

Große Zerstörungen

„Ich habe gesehen, wie die Fluten acht oder neun Lastwagen mit sich rissen, außerdem Häuser und Menschen“, sagte der Lehrer Suman Chalise aus Nepals Bezirk Nuwakot. „Es war absolut entsetzlich. So eine Zerstörung habe ich noch nie gesehen.“ Die nepalesische Armee entsandte Hubschrauber und Rettungstrupps in die Katastrophenregion. Mehrere Fernstraßen waren blockiert.

Auch Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete von Befürchtungen über zahlreiche Opfer und Vermisste am Grenzübergang im Kreis Gyirong im Südwesten der Region Tibet.

Nach Berichten der Zeitung The Kathmandu Post und anderer nepalesischer Medien richteten die Wasser- und Schlammmassen große Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Flusses Bhotekoshi an. Er entspringt im Hochland von Tibet und fließt durch die nepalesische Provinz Bagmati. Unter anderem seien Häuser und Brücken weggespült oder beschädigt worden.

Nepals Regierungschef Balendra Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte für die Rettungsmaßnahmen an. Die Behörden gaben für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaya-Staat eine Katastrophenwarnung heraus.

Ursache der Katastrophe noch unklar

Unklar war zunächst, was die Sturzflut ausgelöst hat. Nicht ausgeschlossen wurde, dass ein sogenannter Gletscherseeausbruch dazu geführt haben könnte. Dabei entleert sich plötzlich ein Gletschersee in Form von Flutwellen.

Die Schlammlawine habe die Straßen zu dem Grenzübergang sowie die Stromzufuhr und Kommunikationsverbindungen abgeschnitten, berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Videoaufnahmen in sozialen Medien und Fotos zeigten, wie die braunen Schlammmassen das Flusstal überspülten.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte, die Vermissten mit allen Mitteln zu suchen und Menschen in der Region in Sicherheit zu bringen, wie Xinhua meldete. Zudem mahnte er demnach, das Frühwarnsystem zu stärken. Xi gibt solche Anweisungen in der Regel nur bei besonders schweren Unglücken. Zudem schickte er mit Zhang Guoqing einen ranghohen Kader der Kommunistischen Partei in die betroffenen Region, um die Rettungsmaßnahmen zu überwachen.

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