Kandidatur für den CDU-Vorsitz: Zu hoch gepokert

Erst wollte Sabine Buder in den Bundestag, dann CDU-Chefin werden. Aber der Kommunalpolitikerin aus Brandenburg ist beides nicht geglückt.

Sabine Buder: Frau mit Zopf und im Sakko

Hat zu viel gewollt: Sabine Buder aus Biesenthal Foto: Marco Riedel/dpa

Im Spätsommer ist die Tierarztpraxis Dr. Sabine Buder im brandenburgischen Biesenthal für einige Wochen geschlossen. Die Inhaberin, die Veterinärmedizinerin Sabine Buder, macht Wahlkampf: Sie will mit einem CDU-Direktmandat in den Bundestag. Dafür fährt sie übers Land, spricht mit Bauern, Landfrauen, Jugendlichen, Menschen, die sie unterwegs trifft. Sie produziert ein Video für ihre Website, das sie im Wald, bei Senioren, auf dem Pferd und mit ihrer Familie zeigt. Buder ist 37, verheiratet und hat 4 Kinder. All diese Mühe nutzte ihr allerdings wenig: Sie unterlag knapp ihrer Konkurrentin von der SPD.

Das war Buders Scheitern Nummer eins.

Aber Sabine Buder, eine selbstbewusste, souverän und frisch wirkende Frau, rhetorisch gut geschult, hebt das nicht aus den Latschen. Im Gegenteil, die Kommunalpolitikerin fühlt sich zu Höherem berufen: Sie will CDU-Parteichefin werden – und wirft kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist am vergangenen Mittwoch ihren Hut in den Ring. Dort rangeln bereits die Herren Norbert Röttgen, Friedrich Merz und Helge Braun miteinander. Eine Ostfrau gegen drei Westmänner, das kommt gut an. So oder ähnlich muss Sabine Buder gedacht haben. Aber ihr Hut kommt erst gar nicht im Ring an, er fällt vorher zu Boden: Ihr Kreisverband nominiert sie nicht, damit kann sie nicht als Kandidatin antreten.

Das ist Buders Scheitern Nummer zwei. Und weitaus peinlicher als beim verpassten Bundestagsmandat. Jetzt kennt die Personalie Buder die gesamte Republik.

Buder scheitert an sich selbst

Nun könnte man sagen, Buders Scheitern Nummer zwei sei eine Art Inszenierung, um die Kandidaturen der Herren besser aussehen zu lassen. Denn die CDU gibt vor, jünger, weiblicher und diverser werden zu wollen. Für einen solchen Prozess stehen die drei weißen mittelalten Männer nur bedingt.

Aber Buders Scheitern ist keines, das von außen gesteuert, von altbackenen und misogynen Parteimännern forciert wurde. Buder scheiterte an sich selbst.

Hört man sich in Buders Wahlkreis um, dem Landkreis Märkisch-Oderland – Barnim II, folgt den Leuten, die Buder aus der Lokalpolitik kennen, und denen, die auch sonst mit Buder zu tun haben, klingt das anders: Was für ein Glück, dass sie es weder in den Bundestag noch als Kandidatin für den CDU-Parteivorsitz geschafft hat. Wer möchte schon mit einer Frau zusammenarbeiten, der mehr an einer Selbstvermarktung liegt als an politischen Inhalten? Die mehr Hybris besitzt als Gemeinsinn? Die zuweilen autoritär auftrete und sich in der Stadtverordnetenversammlung über Kol­le­g:in­nen lauthals lustig mache?

Mit Buder darf aber weiter gerechnet werden. Auch wenn sie jetzt erst einmal ein paar Tier-OP macht.

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Ressortleiterin taz.de / Regie. Zuvor Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Journalistin, Germanistin, Slawistin. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es immer tun" über Partnerschaftsgewalt.

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