Kampf um den CDU-Vorsitz: Brauns cleveres Überraschungsteam

Mit den zwei Frauen Güler und Schön steht Helge Brauns Team für Modernisierung und Diversität. Das rechte CDU-Lager wird es jedoch kaum locken.

Die CDU-Politikerin Serap Güler auf dem Sportplatz

Kluge Wahl: Serap Güler ist eine der zwei Frauen, mit denen Helge Braun an die Parteispitze will Foto: imago-images

Helge Braun hat eine wirklich gute Wahl getroffen. Er tritt gemeinsam im Team mit zwei Frauen zur Wahl des Parteichefs an und betont, dass nicht alle Spitzenjobs der CDU in männlicher Hand sein dürfen. Aber anders als seine Kontrahenten hat er nicht weitgehend unbekannte Christdemokratinnen für seine Kandidatur gewonnen, was den Verdacht nahelegt, dass diese verzweifelt nach einer Frau suchten.

Mit Braun treten zwei junge und gleichzeitig profilierte und ambitionierte Politikerinnen an, die für Zukunftsthemen und eine moderne CDU stehen. Und die schon als Personen zeigen, dass die CDU eine Partei für alle Bevölkerungsgruppen sein will. Mit Serap Güler würde die Tochter von so genannten Gastarbeitern und die ehemalige Integrationsstaatssekretärin in Nordrhein-Westfalen, die zudem Muslima ist, Generalsekretärin. Das wäre für die CDU ein beachtlicher Schritt.

Allein mit Blick auf das Thema Migration, das zweifelos eines derer sein wird, mit denen sich die CDU profilieren wird, ein echter Coup. Man stelle sich vor, wie Güler die nach jetzigem Stand rein weiße Minister:innen-Riege der neuen Ampel-Koalition attackiert. Dass Güler sowohl polarisieren als auch integrieren kann, hat sie in NRW und auch zuletzt im Bundestagswahlkampf gezeigt.

Zudem hat sie als Arbeiterkind, das eine Ausbildung machte und erst später studierte, eine Verbindung zu einer gesellschaftlichen Gruppe, in der die CDU immer weniger An­hän­ge­r:in­nen hat. Nadine Schön, die die Programm- und Strukturentwicklung leiten soll, steht wie kaum eine andere in der CDU gleich für zwei Zukunftsthemen: für Digitalisierung und die Modernisierung des Staates. Zwei Bereiche, die in der neuen Legislaturperiode eine entscheidende Rolle spielen werden.

Als Mutter von zwei kleinen Jungen zeigt das Vorstandsmitglied der Frauenunion außerdem, dass auch Mütter es in der CDU nach vorne schaffen. Doch die Frage ist, ob Brauns Auswahl mit Blick auf die Mitgliederbefragung, die über den Parteivorsitz entscheidet, auch klug ist. Denn alle drei werden in der CDU dem eher liberalen Lager zugeordnet. Wie will der Noch-Kanzleramtsminister da Brücken in die anderen Strömungen, besonders zu den Konservativen und Wirtschaftsliberalen, schlagen und von dort Stimmen gewinnen?

Merz hat sich aus gutem Grund für einen Generalsekretär aus dem Sozialflügel und damit von der anderen Seite der Partei entschieden. Dass Güler etwa bei der Abtreibung streng konservative Positionen vertritt, dürfte da nicht reichen. Doch Braun hat den Vorteil, ein integrativer Typ zu sein, dem man abnimmt, alle Strömungen wirklich einbinden zu wollen. Zudem ist sein Kurs konsequent. Er wird in der Partei, soweit er überhaupt bekannt ist, ohnehin als Vertreter der Merkel-CDU wahrgenommen.

Er könnte also der Kandidat derer sein, die diesen Kurs grundsätzlich fortsetzen, ihn aber modernisieren wollen. Da er selbst eher für ein Weiter-So steht, braucht er Aufbruch und Modernität an seiner Seite. Dafür sind Güler und Schön genau die Richtigen. Mit ihnen wird Braun noch nicht der Favorit, aber er könnte es in eine Stichwahl mit Merz schaffen. Den beiden agilen Frauen allerdings wünschte man einen charismatischeren Typ an ihrer Seite.

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Jahrgang 1966, Politikwissenschaftlerin und Journalistin. Seit 1998 bei der taz - in der Berlin-Redaktion, im Inland, in der Chefredaktion, jetzt als innenpolitische Korrespondentin. Inhaltliche Schwerpunkte: Union und Kanzleramt, Rechtspopulismus und die AfD, Islamismus, Terrorismus und Innere Sicherheit, Migration und Flüchtlingspolitik.

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