Kampf um die Fifa-Spitze: Wo war hier der Skandal?
Gianni Infantino wirft wieder mal mit Geld um sich und spaziert auf eine weitere Amtszeit als Fifa-Boss zu. Die Proteste aus Europa wirken hilflos.
S orry für neulich, kommt nicht wieder vor. Und übrigens, ich habe euch einen Haufen Geld mitgebracht. Noch Fragen? Mit diesen drei Sätzen lässt sich der Auftritt von Fifa-Präsident Gianni Infantino vor dem Council, dem höchsten Gremium des Verbands, ganz gut zusammenfassen. Beinahe drei Monate waren vergangen, seit die Pläne der Clique um Infantino bekannt wurden, die Rechte an den großen Fifa-Turnieren an Investoren aus der Clique um US-Präsident Donald Trump zu verschachern.
Das war in der Fußballwelt alles andere als gut angekommen. Dunkle Wolken waren über der Fifa-Zentrale in Zürich aufgezogen. Das Ende der Ära Infantino schien eingeläutet, nachdem sich die Kontinentalverbände aus Europa, Asien sowie Nord- und Mittelamerika entsetzt zeigten über das Vorgehen. Nun scheinen sich die Wolken wieder zu verziehen.
Infantinos Versprechen, jedem der 211 Mitgliedsverbände im Vierjahreszyklus bis zur nächsten Männer-WM 25 Millionen US-Dollar zu zahlen, hat schon Wirkung gezeigt. Die Mehrheit der 37 Mitglieder des Councils stehe hinter Infantino, sagte nach dem Treffen am Donnerstag der Präsident des Fußballverbands von Mauretanien, Ahmed Yahya.
Vor drei Monaten konnte man noch den Eindruck haben, Infantino stehe kurz vor seiner Ablösung – spätestens bei der Präsidentschaftswahl im kommenden März. Jetzt kann davon nicht mehr die Rede sein. Gut möglich, dass er der Fußballwelt noch eine gute Weile erhalten bleibt.
Die Union Europäischer Fußballverbände (Uefa) bleibt zwar auf Anti-Infantino-Kurs, konnte bislang aber noch nicht einmal einen Kandidaten präsentieren, den sie gegen den 58-jährigen Schweizer ins Rennen schicken könnte. Die Uefa, Veranstalter der wahrlich nicht gerade antikapitalistischen Champions League, bekommt in der Fußballwelt gerade zu spüren, dass man den populistischen Parolen ihres Präsidenten Aleksander Čeferin, wonach der Fußball nicht zum Verkauf stehe, wohl nicht folgen wird.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf, einer jener Europäer, die einen Neuanfang in der Fifa ohne Infantino fordern, meinte nach der Sitzung am Donnerstag, Infantino habe sich ja nur dafür entschuldigt, die Investorenpläne nicht korrekt kommuniziert zu haben, für die Pläne selbst hingegen nicht.
Infantino scheint die Protestnoten nach Bekanntwerden seiner Investorenpläne genauer gelesen zu haben als Neuendorf. Der Fifa-Chef war vor allem dafür kritisiert worden, dass die zuständigen Verbandsgremien nicht in die Pläne involviert waren. Gegen das Scheffeln von Geld durch das Verticken von Vermarktungsrechten haben wohl die wenigsten etwas in der Fifa. Das weiß Gianni Infantino ganz genau.
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