Fifa-Chef Infantino vor Gericht?: In der Logik der Aufklärung
Die Uefa prüft rechtliche Schritte gegen Infantino. Es geht um den Investoren-Plan. Der Fifa-Chef verschanzt sich weiter in seinem Paralleluniversum.
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F ür Außenstehende mag es vielleicht wie eine außer Kontrolle geratene Eskalationsspirale wirken. Wie am Donnerstag bekannt wurde, bereitet der europäische Fußballverband nun noch ein Strafverfahren gegen den Weltverbandschef Gianni Infantino wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung vor. Aber dieser über Wochen sorgfältig vorbereitete Schritt – das Antragsschreiben an ein Distriktgericht im US-Bundesstaat Florida füllt allein schon 54 Seiten – folgt einer zwingenden Aufklärungslogik.
Bereits als Ende Juli Fifa-Präsident Infantino seine im exklusiven Kreis ausgetüftelten Investorenpläne zur Abstimmung bringen wollte, störten sich neben der Uefa andere Kontinental- und Nationalverbände sowohl am Vorhaben an sich als auch an der Intransparenz des Vorgehens.
Der Fifa-Präsident wollte die Vermarktungs-, Medien- und Sponsorenrechte für Fifa-Turniere in eine Tochtergesellschaft auslagern, die wiederum den Einstieg von Investoren, unter anderem aus dem Familienkreis von US-Präsident Donald Trump, ermöglichen sollte. Dass der Verkaufswert dieser Rechte auf läppische 20 Milliarden Dollar taxiert wurde, obwohl allein mit der letzten Männer-WM Gewinne im zweistelligen Milliardenbereich eingefahren wurde, dürfte ein zentraler Baustein bei einem möglichen Strafverfahren sein. Die Frage drängt sich auf, ob an dieser Stelle zum Schaden der Fifa und zugunsten einzelner Personen und Unternehmen gehandelt wurde. Und wer wurde an diesem Entscheidungsprozess beteiligt beziehungsweise entgegen den Fifa-Statuten nicht beteiligt? Mit einem Strafverfahren könnte die Fifa gezwungen werden, Informationen herauszurücken.
Wegen des massiven Protests musste Infantino Abstand von seinen Plänen nehmen. Der Forderung nach Aufklärung der Vorgänge kam er bis heute nicht nach. So forciert die Anklageprüfung der Uefa nicht die Spaltung des Weltfußballs. Diese ist längst Realität.
Groteske Botschaft aus Vietnam
Wie sehr sich Gianni Infantino trotz massiver Gegenproteste in seinem Paralleluniversum verschanzt, demonstrierte er einmal mehr nach Bekanntwerden der jüngsten Uefa-Maßnahmen. Auf Instagram postete er auf seiner Wahlkampftour für die Fifa-Präsidentschaftswahl kommenden März die üblichen Strahlemann-Bilder von sich mit entsprechendem Beitext: „Ich hatte einen wunderbaren Aufenthalt in Vietnam – ein großartiges Land, das eine unglaubliche Leidenschaft und großes Talent für den Fußball birgt.“ Und er sagte der Region die volle Unterstützung der Fifa für die zukünftige Entwicklung zu.
Eine groteske Botschaft von einem Mann, dem es offensichtlich an Unterstützung und Zukunft in seinem Amt mangelt. Allein die drei Kontinentalverbände Uefa, AFC und Concacaf, die sich gegen Infantino positioniert haben, präsentieren mehr als die Hälfte der Stimmen im Weltverband.
Statt mit einem halbwegs gesichtswahrenden Rücktritt den Weg für eine Neuordnung des Weltfußballs freizumachen, will der 56-jährige Schweizer nicht vom Glauben ablassen, mit seiner alten Strategie der großen Geldversprechen zumindest noch kleine Nationalverbände umstimmen zu können. Selbst wenn ihm das gelingen sollte, dürfte angesichts des zerrütteten Verhältnisses zwischen Infantino und den größten europäischen Fußballnationen eine Fortführung seiner Amtszeit existenzgefährdend für die Fifa sein.
Die Fifa müsse wieder als eine Institution geführt werden, die dem Fußball dient – und nicht als Instrument individueller Macht, hatte die Uefa am Donnerstag erklärt. Der Kampf um die Fifa geht weiter.
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